Load Management im Profisport

Load Management im Profisport

Load Management im Profisport: verständliche Informationen, fachliche Einordnung und passende nächste Schritte.

Persönliche ExpertenseiteAusführlicher Fachartikel
PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Kurz eingeordnet

Das Wichtigste für Ihre Orientierung.

  • Beschwerden, Funktion und persönliches Ziel zusammen betrachten
  • Befunde nicht isoliert, sondern im Verlauf einordnen
  • Möglichkeiten und Grenzen verständlich vergleichen
  • Den nächsten Schritt konkret und überprüfbar festlegen

Entscheidungshilfe

Vier Punkte vor der Entscheidung.

Ausgangslage, vorhandene Befunde, Behandlungsoptionen und der nächste Schritt gehören in das Gespräch.

  1. 01

    Ausgangslage

    Beschwerden, Funktion und persönliches Ziel zusammen betrachten

  2. 02

    Vorhandene Informationen

    Befunde nicht isoliert, sondern im Verlauf einordnen

  3. 03

    Optionen

    Möglichkeiten und Grenzen verständlich vergleichen

  4. 04

    Nächster Schritt

    Den nächsten Schritt konkret und überprüfbar festlegen

Load Management bedeutet mehr als Trainingsumfang messen

Load Management bezeichnet die Planung und Steuerung der Belastungen, denen eine Athletin oder ein Athlet ausgesetzt ist. Dazu gehören nicht nur Trainingsdauer und Laufstrecke. Auch Spielintensität, Sprints, Sprünge, Kontakte, Reisen, Schlaf, psychischer Stress, Ernährung und bisherige Verletzungen können die Belastbarkeit beeinflussen.

Im professionellen Rugby wurde Load deshalb als Gesamtheit der körperlichen und nicht körperlichen Stressoren beschrieben [1]. Im Fußball und anderen Mannschaftssportarten werden diese Belastungen zunehmend mit GPS, Herzfrequenz, Session-RPE, Wellness-Fragebögen und Leistungsdaten erfasst.

Ziel ist nicht, jede Belastung zu vermeiden. Ziel ist, die Athletin oder den Athleten so vorzubereiten, dass die erforderlichen Belastungen sicher und leistungsfähig toleriert werden.

Interne und externe Belastung

Interne und externe Belastung
BelastungsartBeispieleAussage
Externe BelastungLaufdistanz, Sprintmeter, Beschleunigungen, Sprünge, Gewichte, TrainingsdauerWas wurde objektiv geleistet?
Interne BelastungHerzfrequenz, RPE, Muskelkater, Müdigkeit, Schlaf, StimmungWie reagiert der Körper darauf?
Medizinische BelastungSchmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung, MedikamentenbedarfWie verträgt das Gewebe die Belastung?
Kontextuelle BelastungReisen, Jetlag, Spielplan, beruflicher und psychischer StressWelche Faktoren verändern die Erholung?

Der Konsensus zur Trainingslast betont, dass kein einzelner Messwert die Fitness- und Ermüdungsreaktion zuverlässig abbildet. Interne und externe Daten sollten gemeinsam und individuell interpretiert werden [2].

Warum Belastungssprünge problematisch sein können

Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke passen sich nicht immer gleich schnell an steigende Belastungen an. Ein abrupter Anstieg nach einer Pause, einem Vereinswechsel oder einer Verletzung kann das Verhältnis zwischen aktueller Belastung und vorhandener Gewebekapazität verschieben.

Im Profisport entstehen Belastungssprünge beispielsweise durch:

  • Rückkehr nach längerer Verletzung,
  • neue Trainingsinhalte,
  • Wechsel in eine höhere Spielklasse,
  • mehrere Spiele in kurzer Zeit,
  • hohe Sprint- oder Kontaktbelastung,
  • reduzierte Trainingsmöglichkeiten während Reisen,
  • oder den Versuch, Trainingsrückstand schnell aufzuholen.

Die Forschung zeigt Zusammenhänge zwischen Belastung und Verletzung, erlaubt aber nicht immer eine einfache Schwelle. Besonders die ACWR-Modelle wurden in der Literatur unterschiedlich berechnet und bewertet. Eine systematische Übersicht im Profifußball kam zu dem Schluss, dass ein bestimmter Grenzwert mit minimalem Verletzungsrisiko nicht sicher festgelegt werden kann [3].

ACWR nicht als starre Ampel verwenden

Die Acute-to-Chronic Workload Ratio setzt eine kurzfristige Belastung mit einem längerfristigen Belastungsverlauf in Beziehung. Das Modell kann als eine Information unter mehreren genutzt werden, sollte aber nicht als automatische Go- oder No-Go-Entscheidung dienen.

West und Kollegen kritisieren, dass starre Belastungsregeln auf schwachen Annahmen beruhen können. Übervorsichtige Vorgaben könnten die sportliche Vorbereitung begrenzen und dazu führen, dass Athleten nicht ausreichend auf die Wettkampfanforderungen vorbereitet sind [4].

Eine sinnvolle Belastungssteuerung berücksichtigt daher:

  • individuelle Trainings- und Verletzungshistorie,
  • körperliche Leistungsfähigkeit,
  • aktuelle Beschwerden,
  • interne Belastungsreaktion,
  • externe Belastung,
  • Schlaf und Regeneration,
  • bevorstehende Spiele,
  • sowie das sportliche Ziel und die akzeptierte Risikotoleranz.

Belastungssteuerung bei engem Spielplan

In einer Untersuchung im Profifußball waren Verletzungsraten in Wochen mit mehreren Spielen höher als in Wochen mit einem Spiel. Gleichzeitig wurden Trainingsumfänge in den belasteten Wochen reduziert. Die Autoren konnten nicht abschließend klären, ob die erhöhte Verletzungsrate vor allem durch die Spiele, die kürzere Erholung oder andere Faktoren verursacht wurde [5].

Im professionellen Rugby machen Spiele nur einen kleinen Teil der gesamten Exposition aus, weisen aber eine deutlich höhere Verletzungsrate als Training auf [1]. Deshalb sollte eine Spielwoche nicht nur anhand der Trainingsminuten bewertet werden.

Praktische Fragen sind:

  • Wie viele Hochgeschwindigkeitsaktionen wurden absolviert?
  • Wie viele Kontakte oder Richtungswechsel waren enthalten?
  • Wie hat sich die Belastung am Folgetag ausgewirkt?
  • Welche Spieler benötigen individuelle Reduktionen oder Zusatzbelastungen?
  • Ist die Trainingsbelastung niedrig, weil die Spieler geschützt werden, oder weil die Vorbereitung unzureichend ist?

Load Management nach einer Verletzung

Nach einer Verletzung muss Belastung nicht nur reduziert, sondern gezielt wieder aufgebaut werden. Der Prozess beginnt mit der Belastung, die ohne relevante Reaktion möglich ist, und führt über Kraft, Lauf- und sportartspezifische Übungen zu Training und Wettkampf.

Wichtige Kriterien sind:

  • Reaktion während der Belastung,
  • Schmerzen und Schwellung am selben Tag,
  • Steifigkeit und Funktion am Folgetag,
  • Kraft und Bewegungsqualität,
  • Fähigkeit zu hohen Geschwindigkeiten oder Kontakten,
  • sowie die Belastungstoleranz über mehrere Einheiten.

Die Belastung sollte nicht nur einmal getestet werden. Ein Profispiel erfordert häufig wiederholte intensive Aktionen unter Ermüdung. Deshalb ist die letzte Phase der Rehabilitation eng mit dem Load Management des Teams zu verbinden.

Daten sinnvoll im Team nutzen

Load Management funktioniert nur, wenn Daten in Entscheidungen übersetzt werden. Ein Bericht mit zahlreichen Kennzahlen ohne konkrete Konsequenz verbessert die medizinische Betreuung nicht.

Der Konsensus zur Belastungsüberwachung empfiehlt eine verständliche Darstellung weniger zentraler Informationen und eine frühe Erklärung, warum Daten erhoben werden [2]. Die Daten sollten zwischen Medizin, Athletik, Sportwissenschaft, Coaching und Athlet geteilt werden, soweit dies rechtlich, ethisch und mit Einwilligung möglich ist.

Besonders wichtig sind Datenschutz und Zweckbindung. Belastungs- und Gesundheitsdaten sind sensible Informationen. Im Profisport muss konkret geregelt sein, wer welche Daten sehen darf, wie sie gespeichert werden und wie medizinische Entscheidungen dokumentiert werden.

Load Management in München

PD Dr. med. Daniel Berthold unterstützt die sportorthopädische Beurteilung bei Überlastungsbeschwerden, wiederkehrenden Verletzungen und der Rückkehr zu höherer Belastung. Dabei werden medizinische Befunde, sportartspezifische Anforderungen und der individuelle Verlauf gemeinsam betrachtet.

OrthoCenter München Maximilianstraße 10, 80539 München Telefon: +49 89 461 34 53 0 E-Mail: info@ortho-center.eu

Häufige Fragen

Bedeutet Load Management, dass Training reduziert werden muss?

Nicht grundsätzlich. Eine gute Steuerung kann Belastungen auch gezielt erhöhen, damit der Körper auf den Wettkampf vorbereitet ist. Entscheidend sind Progression, Erholung und individuelle Reaktion.

Kann GPS Verletzungen vorhersagen?

GPS kann externe Belastungen messen, aber keine Verletzung sicher vorhersagen. Die Daten müssen mit Beschwerden, Schlaf, RPE, Kraft, Vorgeschichte und sportlichem Kontext verbunden werden.

Ist die ACWR eine verlässliche feste Grenze?

Die Forschung ist methodisch uneinheitlich. Ein einzelner Grenzwert sollte nicht automatisch über Training oder Einsatz entscheiden.

Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Therapieentscheidung.

References

[1] K. Quarrie et al., “Managing player load in professional rugby union: a review of current knowledge and practices,” British Journal of Sports Medicine, vol. 51, pp. 421–427, Aug. 2016, doi: 10.1136/bjsports-2016-096191.

[2] P. Bourdon et al., “Monitoring Athlete Training Loads: Consensus Statement.” International journal of sports physiology and performance, vol. 12 Suppl 2, pp. S2161–S2170, Apr. 2017, doi: 10.1123/IJSPP.2017-0208.

[3] Z. Jiang, Y. Hao, N. Jin, and Y. Li, “A Systematic Review of the Relationship between Workload and Injury Risk of Professional Male Soccer Players,” International Journal of Environmental Research and Public Health, vol. 19, Oct. 2022, doi: 10.3390/ijerph192013237.

[4] S. W. West, I. Shrier, F. Impellizzeri, J. Clubb, P. Ward, and G. Bullock, “Training-Load Management Ambiguities and Weak Logic: Creating Potential Consequences in Sport Training and Performance.” International journal of sports physiology and performance, pp. 1–4, Sep. 2024, doi: 10.1123/ijspp.2024-0158.

[5] K. Howle, A. Waterson, and R. Duffield, “Injury Incidence and Workloads during congested Schedules in Football,” International Journal of Sports Medicine, vol. 41, pp. 75–81, Dec. 2019, doi: 10.1055/a-1028-7600.

Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

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