Gliedertaxe verstehen

Die Gliedertaxe verstehen

Die Gliedertaxe ordnet in der privaten Unfallversicherung bestimmten Körperteilen feste Vertragswerte zu. Der medizinisch festgestellte Funktionsverlust wird auf diesen Wert bezogen; maßgeblich ist immer die konkrete Police.

Persönliche ExpertenseiteMedizinische Übersicht
PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Kurz eingeordnet

Das Wichtigste für Ihre Orientierung.

  • Vertragswert und medizinischen Funktionsanteil trennen
  • Konkrete Gliedertaxe aus der Police verwenden
  • Progression erst nach dem Grundwert anwenden
  • GdB- oder MdE-Werte nicht übertragen

Entscheidungshilfe

Vier Punkte vor der Entscheidung.

Ausgangslage, vorhandene Befunde, Behandlungsoptionen und der nächste Schritt gehören in das Gespräch.

  1. 01

    Ausgangslage

    Vertragswert und medizinischen Funktionsanteil trennen

  2. 02

    Vorhandene Informationen

    Konkrete Gliedertaxe aus der Police verwenden

  3. 03

    Optionen

    Progression erst nach dem Grundwert anwenden

  4. 04

    Nächster Schritt

    GdB- oder MdE-Werte nicht übertragen

Das Prinzip

Zwei Ebenen ergeben den vertraglichen Grundwert.

Die Police legt fest, welchen Invaliditätswert der vollständige Funktionsverlust eines Körperteils hat. Medizinisch wird beurteilt, welcher Anteil dieser Funktion dauerhaft verloren ist.

Erst danach kann eine vertragliche Berechnung erfolgen. Unterschiedliche Versicherungsbedingungen können bei gleichem medizinischem Befund zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Häufiger Fehler

Eine Tabelle ersetzt keine Funktionsuntersuchung.

Die Gliedertaxe nennt den Vertragsrahmen, nicht den individuellen Funktionsanteil. Dieser muss aus den dauerhaften Unfallfolgen und den erhobenen Funktionsbefunden hergeleitet werden.

Einordnung

Was sich aus allgemeinen Informationen ableiten lässt – und was nicht.

Beim Thema „Die Gliedertaxe verstehen“ geben Studien, Leitlinien und klinische Erfahrung einen Rahmen vor. Für die einzelne Person ändern jedoch Verlauf, Begleitbefunde, Ausgangsfunktion und Ziel, wie diese Informationen gewichtet werden.

Deshalb trennt dieser Beitrag robuste Grundsätze von Punkten, die erst nach Untersuchung oder Sichtung der Originalunterlagen beantwortet werden können. Das schützt vor falscher Sicherheit ebenso wie vor unnötiger Sorge.

Praktische Vorbereitung

Drei Dinge, die für die persönliche Einordnung weiterhelfen.

Halten Sie den zeitlichen Verlauf, bisherige Maßnahmen und die konkrete Einschränkung fest. Ergänzen Sie das Ziel, das für Sie im Alltag, Beruf oder Sport wirklich relevant ist.

Mit dieser Vorbereitung lässt sich gezielter entscheiden, ob weitere Diagnostik, eine Anpassung der bisherigen Behandlung, ein regeneratives Verfahren, eine Operation oder zunächst ein kontrollierter Verlauf sinnvoll ist.

Zur PersonAls ehemaliger Leistungssportler verbinde ich klinische Arbeit, Sportmedizin und Forschung.
PD Dr. med. Daniel P. BertholdPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt · Privatdozent · Sportorthopäde
100+ Publikationen · davon 90 PubMed-indexiert
Forschung und Ausbildung
Forschung und Publikationen

Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

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