24-Stunden-Reaktion nutzen
Die Reaktion bis zum nächsten Tag hilft, Training ausreichend fordernd und gleichzeitig verträglich zu dosieren.
Tennisellenbogen · Sehnenbelastbarkeit · München
Ein Tennisellenbogen – medizinisch meist als laterale Ellenbogentendinopathie bezeichnet – verursacht Schmerzen am äußeren Ellenbogen, häufig beim Greifen, Heben oder Strecken des Handgelenks gegen Widerstand. Der Name führt etwas in die Irre: Nicht nur Tennis, sondern auch Padel, Klettern, Krafttraining, handwerkliche Arbeit oder wiederholte Computer- und Mausbelastung können Beschwerden auslösen.
Die gute Nachricht: Eine Operation ist nur selten der erste oder notwendige Schritt. Entscheidend ist, die Diagnose zu sichern, die auslösende Belastung zu verstehen und die Sehne wieder kontrolliert belastbar zu machen. Ergänzende Verfahren wie Stoßwellentherapie oder PRP können in ausgewählten Situationen diskutiert werden – sie ersetzen aber kein strukturiertes Belastungs- und Kraftprogramm.
Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze
Medizinisch unterscheiden
Die Reaktion bis zum nächsten Tag hilft, Training ausreichend fordernd und gleichzeitig verträglich zu dosieren.
Handgelenkstrecker, Griffkraft, Pronation und Supination werden progressiv und später sport- oder berufsspezifisch belastet.
Zusatzverfahren können bei ausgewählten chronischen Verläufen sinnvoll sein und werden mit dem aktiven Aufbau verbunden.
Tennisellenbogen-Behandlungscheck
Schmerzort, Sehnenfunktion, Nachreaktion und bisherige Behandlung zeigen, welche Stufe noch fehlt. Der Check stellt keine Diagnose. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen.
Kapitel 01
Ein Tennisellenbogen bezeichnet Schmerzen und Funktionsverlust im Bereich des gemeinsamen Strecksehnenansatzes am äußeren Ellenbogen. Häufig betroffen ist der Ursprung des Musculus extensor carpi radialis brevis (ECRB). Bei länger bestehenden Beschwerden stehen eher degenerative und belastungsabhängige Veränderungen des Sehnengewebes sowie eine veränderte Schmerzverarbeitung im Vordergrund als eine akute Entzündung. Deshalb sind die Begriffe „laterale Ellenbogentendinopathie“ oder „laterale Epikondylopathie“ meist präziser als „Epicondylitis“.
Kapitel 02
Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen direkt am äußeren Ellenbogen. Häufig ist der Sehnenansatz druckempfindlich, und Tätigkeiten mit Griffkraft oder aktiver Handgelenkstreckung provozieren Beschwerden.
Kapitel 03
Nicht jeder Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens kommt von der Strecksehne. Gerade bei lange anhaltenden oder ungewöhnlichen Beschwerden ist die Differenzialdiagnose wichtig. Eine Therapie kann nur funktionieren, wenn die Schmerzquelle korrekt eingeordnet wurde.
Taubheitsgefühle, deutliche motorische Schwäche, Ruheschmerz, ausgeprägte Schwellung, Fieber, Instabilitätsgefühl, ein akutes Trauma oder eine relevante Bewegungseinschränkung sprechen dafür, die Diagnose zeitnah ärztlich zu überprüfen.
Kapitel 04
Die Diagnose wird in vielen Fällen klinisch gestellt. Entscheidend sind die genaue Schmerzanamnese, das Belastungsprofil und eine Untersuchung, die nicht nur den Ellenbogen, sondern bei Bedarf auch Unterarm, Handgelenk, Schulter und Halswirbelsäule einbezieht.
Bei einem typischen klinischen Befund ist nicht automatisch ein MRT erforderlich. Bildgebung wird besonders wertvoll, wenn die Diagnose unsicher ist, die Beschwerden trotz strukturierter Therapie fortbestehen, ein höhergradiger Sehnenschaden vermutet wird oder eine interventionelle beziehungsweise operative Behandlung erwogen wird. Ein Ultraschall kann Sehnenstruktur, Verkalkungen, Teilrisse und gegebenenfalls Durchblutungsveränderungen dynamisch beurteilen. Das MRT liefert zusätzliche Informationen zu Sehne, Gelenk, Bandapparat, Knorpel und Knochen.
Wichtig: Ein auffälliger MRT- oder Ultraschallbefund allein entscheidet nicht über die Therapie. Strukturelle Veränderungen müssen zu Schmerzlokalisation, Funktionsverlust und Belastungsprofil passen.
Kapitel 05
Meist entsteht die Symptomatik nicht durch eine einzelne „falsche“ Bewegung, sondern durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit. Typisch ist eine Phase, in der die Beanspruchung schneller steigt, als sich Sehne und Muskulatur anpassen können.
Komplette Ruhe ist bei Tendinopathien selten die langfristige Lösung. Ziel ist, schmerzauslösende Spitzenbelastungen zunächst zu reduzieren und die Belastbarkeit anschließend gezielt wieder aufzubauen.
Kapitel 06
Die konservative Behandlung ist die Grundlage. Sie sollte nicht aus einer zufälligen Abfolge passiver Maßnahmen bestehen, sondern aus einem Plan mit festgelegten Schritten mit Belastungssteuerung, progressivem Krafttraining und objektiver Verlaufskontrolle. Passive oder interventionelle Verfahren können ergänzen, wenn sie ein konkretes Problem adressieren oder den aktiven Aufbau erleichtern.
| Stufe | Ziel | Typische Maßnahmen | Weiter, wenn … |
|---|---|---|---|
| 1 – Reizbarkeit senken | Alltag wieder tolerierbar machen | Belastungsspitzen reduzieren, isometrische Aktivierung, ergonomische Anpassung | Schmerz und Nachreaktion kontrollierbar sind |
| 2 – Kraft aufbauen | Sehne und Muskulatur wieder belastbar machen | langsame konzentrische/exzentrische Handgelenkstreckung, Griffkraft | Steigerung ohne deutliche 24-h-Verschlechterung gelingt |
| 3 – Ausdauer & Hebel | Alltags- und Arbeitsbelastung abbilden | Pronation/Supination, längere Haltezeiten, Tragen, komplexere Hebel | wiederholte Belastung toleriert wird |
| 4 – Return to Sport/Work | Spezifische Belastung sicher zurückführen | Schlag-, Griff-, Werkzeug- und sportartspezifische Progression | Belastung auch unter Ermüdung kontrolliert bleibt |
Der Wechsel in die nächste Stufe richtet sich nicht nach einem festen Kalender. Entscheidend sind die Beschwerden während der Belastung, die Reaktion am Folgetag und die kontrollierte Funktion im jeweils nächsten Belastungsniveau. Bei einer deutlichen Verschlechterung wird die Dosis angepasst, nicht automatisch das gesamte Training beendet.
Ein leichter, kontrollierbarer Schmerz während des Trainings kann bei Tendinopathien tolerierbar sein. Entscheidend ist die Reaktion danach. Wenn Schmerz, Steifigkeit oder Funktion am folgenden Tag deutlich schlechter sind als vor der Einheit, war die Belastung wahrscheinlich zu hoch. Bleibt die Reaktion stabil oder normalisiert sie sich rasch, kann die Belastung schrittweise gesteigert werden. Diese 24-Stunden-Regel ist kein starres Gesetz, aber eine praktische Orientierung für die Dosierung.
Kapitel 07
Am besten untersucht sind progressive Widerstandsübungen. Die genaue Form – isometrisch, konzentrisch, exzentrisch oder schwer-langsam – ist weniger wichtig als eine regelmäßige, ausreichend dosierte und gut gesteigerte Belastung. Übungen sollten an die Reizbarkeit und das Funktionsziel angepasst werden.
Der Unterarm liegt auf, das Handgelenk bleibt leicht gestreckt. Mit der anderen Hand oder einem Band wird Widerstand aufgebaut, ohne dass sich das Handgelenk bewegt. Mehrere kontrollierte Haltephasen können bei hoher Reizbarkeit ein guter Einstieg sein. Entscheidend ist nicht eine bestimmte Sekundenangabe, sondern eine Belastung, die spürbar arbeitet, ohne die Beschwerden am Folgetag deutlich zu verschlechtern.
Mit Hantel, Theraband oder Kabelzug wird das Handgelenk langsam angehoben und abgesenkt. Der Unterarm bleibt stabil. Widerstand und Wiederholungszahl werden schrittweise gesteigert. Exzentrische Programme sind gut untersucht; aktuelle Leitlinien und Reviews unterstützen vor allem die aktive, progressive Kräftigung als Kern der Rehabilitation.
In der letzten Phase wird genau das trainiert, was später wieder funktionieren soll: längere Griffbelastung, Rückhand, Aufschlag, Klettern, Werkzeugführung, Vibration oder wiederholtes Heben. Der Übergang sollte funktionell und nicht nur nach Kalender entschieden werden.
Kapitel 08
Physiotherapie ist besonders sinnvoll, wenn sie die aktive Belastungssteuerung strukturiert. Neben der Unterarmmuskulatur können Schulterblatt, Schulter, Halswirbelsäule und Handgelenk relevant sein. Manuelle Techniken können kurzfristig Schmerz und Griffkraft beeinflussen, sollten aber möglichst genutzt werden, um aktive Übungen und eine bessere Funktion zu ermöglichen – nicht als alleinige Dauertherapie.
Kapitel 09
Eine Counterforce-Spange oder Handgelenksorthese kann bei einzelnen Patienten kurzfristig Beschwerden reduzieren und bestimmte Tätigkeiten erleichtern. Die Wirkung ist individuell und sollte als symptomatische Unterstützung verstanden werden. Eine Bandage ersetzt nicht den Kraftaufbau. Sinnvoll ist sie vor allem, wenn sie eine belastende Tätigkeit vorübergehend besser möglich macht, ohne dadurch Überlastung zu kaschieren.
Kapitel 10
Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) wird vor allem bei länger bestehenden Tendinopathien eingesetzt. Die wissenschaftliche Einordnung ist jedoch nicht einheitlich. Die BESS-Leitlinie von 2023 sprach auf Basis der bis 2022 verfügbaren Evidenz eine starke Empfehlung gegen die routinemäßige Anwendung aus. Neuere systematische Reviews und Vergleiche aus 2024 bis 2026 berichten teilweise Vorteile gegenüber Ultraschall oder Injektionen, während eine aktuelle Übersichtsarbeit von 2026 die Gesamtevidenz weiterhin als nicht abschließend bewertet. Deshalb sollte ESWT nicht als „Pflichttherapie“, sondern als mögliche Ergänzung bei ausgewählten chronischen Verläufen verstanden werden.
Besonders diskutierbar ist ESWT, wenn die Diagnose gesichert ist, ein strukturiertes Trainingsprogramm bereits läuft, die Beschwerden seit Monaten bestehen und eine nichtoperative Zusatzoption gewünscht wird. Die Therapie sollte mit konkreten Zielkriterien – Schmerz, schmerzfreie Griffkraft, Belastbarkeit und Funktion – überprüft werden.
Kapitel 11
PRP (plättchenreiches Plasma) und ACP sind autologe Blutprodukte, die aus dem eigenen Blut gewonnen werden. Sie enthalten Thrombozyten und verschiedene Signalstoffe, die an Gewebeumbau- und Reparaturprozessen beteiligt sind. Beim Tennisellenbogen gehört PRP zu den am häufigsten untersuchten biologischen Verfahren – gleichzeitig ist die Studienlage widersprüchlich.
Ein Teil der Meta-Analysen zeigt gegenüber Kortikosteroidinjektionen günstigere längerfristige Ergebnisse. Dem steht eine 2026 im American Journal of Sports Medicine veröffentlichte Meta-Analyse placebo-kontrollierter randomisierter Studien gegenüber: In sechs RCTs mit 355 Patienten zeigte sich gegenüber Placebo zu den untersuchten Zeitpunkten kein signifikanter Vorteil bei Schmerz oder Funktion. Diese Diskrepanz ist wichtig: PRP kann in ausgewählten chronischen Fällen diskutiert werden, ist aber keine gesicherte Standardlösung und sollte nicht so dargestellt werden, als sei ein Effekt garantiert.
Eine vernünftige Indikation setzt deshalb voraus, dass die Diagnose passt, relevante Differentialdiagnosen ausgeschlossen sind, ein aktives Rehabilitationsprogramm durchgeführt wird und Nutzen, Kosten, Unsicherheit der Evidenz sowie Alternativen offen besprochen werden. Bei sonografisch nachweisbaren strukturellen Veränderungen kann eine bildgesteuerte Applikation technisch sinnvoll sein; daraus folgt jedoch nicht automatisch ein besseres klinisches Ergebnis.
Kapitel 12
Kortikosteroidinjektionen können kurzfristig Schmerzen lindern. Für den längerfristigen Verlauf ist die Bilanz jedoch ungünstiger: Rückfälle und schlechtere Langzeitergebnisse wurden in mehreren Studien beschrieben. Die BESS-Leitlinie empfiehlt Kortikosteroidinjektionen bei lateraler Ellenbogentendinopathie deshalb nicht als Routinebehandlung. Eine kurzfristige Schmerzlinderung sollte nicht mit einer geheilten Sehne verwechselt werden – insbesondere dann nicht, wenn unmittelbar wieder hohe Belastungen aufgenommen werden.
Kapitel 13
Physikalische Verfahren können bei einzelnen Patienten zur Schmerzmodulation oder als Ergänzung einer aktiven Rehabilitation eingesetzt werden. Für therapeutischen Ultraschall, Elektrotherapie und gepulste elektromagnetische Felder ist die Evidenz deutlich weniger robust als für Belastungssteuerung und progressive Übungen. Sie sollten deshalb nicht den Kern des Behandlungskonzepts bilden. Wenn sie eingesetzt werden, sollte ihr Nutzen daran gemessen werden, ob Bewegung, Training und Alltagsfunktion tatsächlich besser möglich werden.
Kapitel 14
Bei chronischen therapieresistenten Verläufen werden Dry Needling, ultraschallgesteuerte Nadeltenotomie, perkutane Elektrolyse, ultraschallassistierte Tenotomie oder andere minimalinvasive Verfahren angeboten. Für einzelne Verfahren existieren positive Studien, die Evidenz ist jedoch unterschiedlich stark und oft nicht ausreichend, um eine generelle Empfehlung auszusprechen. Wichtig ist daher zuerst die Frage, ob tatsächlich die Strecksehne die Schmerzquelle ist und ob das Verfahren einen plausiblen Mehrwert gegenüber einer weiter optimierten Rehabilitation bietet.
Kapitel 15
| Situation | Primärer Fokus | Mögliche Ergänzung | Wichtig zu wissen |
|---|---|---|---|
| Frischer, typischer Verlauf | Belastungsanpassung + aktiver Aufbau | Bandage oder kurzfristige symptomatische Entlastung | Keine automatische Bildgebung oder Injektion nötig |
| Hohe Reizbarkeit | dosierte Aktivierung, Belastungsspitzen reduzieren | manuelle/physikalische Maßnahmen zur Trainingsfähigkeit | Komplette Ruhigstellung vermeiden |
| Chronischer Verlauf über mehrere Monate | progressives Kraft- und Ausdauerprogramm | ESWT oder PRP selektiv diskutieren | Evidenz der Zusatzverfahren offen besprechen |
| Atypische Schmerzen / Nervenverdacht | Diagnose neu prüfen | gezielte Bildgebung oder neurologische Abklärung | Nicht jeder laterale Ellenbogenschmerz ist eine Tendinopathie |
| Relevanter struktureller Defekt oder Instabilität | spezialisierte Beurteilung | MRT oder Ultraschall, gegebenenfalls operative Abwägung | Operationsentscheidung nicht allein nach Bild treffen |
Die Tabelle ist eine Orientierung für den nächsten Behandlungsschritt, keine starre Reihenfolge. Entscheidend ist, ob Schmerzort, klinische Untersuchung, Belastungsreaktion und gegebenenfalls Bildgebung dieselbe Ursache stützen. Erst daraus ergibt sich, ob der aktive Aufbau fortgeführt, sinnvoll ergänzt oder die Diagnose nochmals geprüft wird.
Kapitel 16
Nein. Die große Mehrheit der Patienten benötigt keine Operation. Selbst bei lange bestehenden Beschwerden sollte vor einer Operation nochmals geprüft werden, ob die Diagnose stimmt, ob die Belastungssteuerung tatsächlich strukturiert durchgeführt wurde und ob eine andere Schmerzquelle vorliegt. Besonders wichtig ist die offene Aufklärung: Eine placebo-kontrollierte Studie konnte für die operative ECRB-Exzision keinen konkreten Zusatznutzen gegenüber einer Scheinoperation zeigen; auch die BESS-Leitlinie weist darauf hin, dass ein Nutzen gegenüber Placebo nicht belegt ist.
Eine operative Beurteilung kann trotzdem sinnvoll sein, wenn erhebliche Beschwerden und Funktionsverluste trotz konsequenter nichtoperativer Behandlung fortbestehen oder wenn ein anderer struktureller Befund – etwa ein größerer Sehnendefekt, relevante Instabilität oder intraartikuläre Pathologie – vorliegt. Dann geht es nicht um „Tennisellenbogen-OP ja oder nein“ im Allgemeinen, sondern um die konkrete Pathologie und das passende Verfahren.
Kapitel 17
Bei Schlägersportarten lohnt sich eine Analyse der tatsächlichen Belastung. Typische Verstärker können eine hohe Griffspannung, ein verspäteter Treffpunkt, ungeeignete Griffgröße, hohe Saitenspannung, abrupte Trainingssteigerung oder eine reduzierte Schulter-/Rumpfkontrolle sein. Ziel ist nicht automatisch eine komplette Sportpause, sondern eine belastbare Zwischenlösung: schmerzprovokative Spitzen reduzieren, Technik anpassen und parallel die Unterarm- und Griffkraft aufbauen.
Kapitel 18
Auch Büro- und Handwerkstätigkeiten können die Strecksehnen belasten. Relevant sind insbesondere dauerhaft nach oben abgeknickte Handgelenke, hohe statische Mausspannung, repetitive Schraub- oder Greifbewegungen, Vibration und lange Haltephasen. Ergonomische Anpassungen wirken am besten, wenn sie nicht isoliert bleiben, sondern mit einem aktiven Belastungsaufbau kombiniert werden.
Kapitel 19
Die Rückkehr zum Sport sollte nicht nur nach Wochen oder Monaten entschieden werden. Besser sind funktionelle Kriterien. Die Belastung ist eher bereit für den nächsten Schritt, wenn Alltag und Grundübungen toleriert werden, die schmerzfreie Griffkraft deutlich verbessert ist und sportartspezifische Belastungen keine relevante Verschlechterung am Folgetag auslösen.
Kapitel 20
„Beim Tennisellenbogen entscheidet nicht das auffälligste Wort im MRT und auch nicht die Anzahl der bereits ausprobierten Therapien. Entscheidend ist, ob Schmerzort, klinischer Befund, Sehnenfunktion und Belastungsprofil zusammenpassen. Erst dann lässt sich sinnvoll entscheiden, ob Training optimiert, eine Zusatztherapie ergänzt oder die Diagnose neu geprüft werden sollte.“
Kapitel 21
Bei länger bestehenden Beschwerden, deutlichem Kraftverlust, sportlicher Einschränkung oder fehlender Besserung trotz Therapie kann eine spezialisierte orthopädische Untersuchung sinnvoll sein. Im Orthocenter München kann die Fragestellung aus konservativer, sportorthopädischer und – wenn notwendig – operativer Perspektive beurteilt werden. Je nach Befund gehören klinische Funktionsprüfung, Ultraschall beziehungsweise die gemeinsame Beurteilung vorhandener MRT-Bilder und ein strukturierter Therapieplan dazu.
Besonders sinnvoll ist eine Vorstellung, wenn unklar ist, ob wirklich eine Tendinopathie vorliegt, wenn bereits mehrere Behandlungen ohne nachhaltigen Effekt durchgeführt wurden oder wenn Stoßwelle, PRP, interventionelle Verfahren beziehungsweise eine Operation zur Diskussion stehen.
Kapitel 22
Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Manche Beschwerden bessern sich innerhalb von Wochen, andere bleiben über Monate bestehen. Entscheidend ist weniger die reine Dauer als die Reizbarkeit, Belastung im Beruf oder Sport, Griffkraft, Begleitbeschwerden und ob ein passendes aktives Rehabilitationsprogramm durchgeführt wird. Auch länger bestehende Beschwerden können sich noch verbessern.
Es gibt nicht die eine beste Übung. Wichtig ist ein progressives Kraftprogramm, das zur aktuellen Reizbarkeit passt. Isometrische Übungen können bei hoher Reizbarkeit ein Einstieg sein; später werden langsame konzentrische/exzentrische Übungen, Griffkraft, Pronation/Supination und sportartspezifische Belastungen aufgebaut.
Häufig ja – aber dosiert. Nicht jede schmerzhafte Bewegung muss vollständig vermieden werden. Sinnvoll ist, die provokative Belastung zunächst zu reduzieren und anschließend stufenweise aufzubauen. Eine deutliche Verschlechterung am Folgetag spricht dafür, dass die Belastung noch zu hoch war.
Sie kann bei ausgewählten chronischen Verläufen diskutiert werden, die Evidenz ist aber widersprüchlich. Die BESS-Leitlinie von 2023 empfiehlt ESWT nicht routinemäßig; neuere Reviews berichten teilweise positive Effekte, beurteilen die Gesamtevidenz aber weiterhin als heterogen. Deshalb sollte Stoßwelle als optionale Ergänzung zu einem aktiven Rehabilitationsprogramm verstanden werden.
PRP ist biologisch plausibel und wird häufig eingesetzt, die wissenschaftlichen Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich. Einige Vergleiche mit Kortison zeigen längerfristig günstigere Ergebnisse. Eine placebo-kontrollierte Meta-Analyse von 2026 fand dagegen keinen signifikanten Vorteil bei Schmerz oder Funktion. PRP ist daher eine mögliche individuelle Zusatzoption, aber keine garantierte oder obligate Therapie.
Kortison kann kurzfristig Schmerzen reduzieren. Für den langfristigen Verlauf ist die Bilanz ungünstiger, und die BESS-Leitlinie empfiehlt Kortikosteroidinjektionen bei lateraler Ellenbogentendinopathie nicht als Routine. Eine kurzfristige Schmerzlinderung sollte nicht dazu führen, die Sehne sofort wieder maximal zu belasten.
Nicht automatisch. Bei einem typischen klinischen Befund reicht häufig die Untersuchung. MRT oder Ultraschall werden besonders wichtig, wenn die Diagnose unklar ist, die Beschwerden ungewöhnlich verlaufen, ein größerer Sehnendefekt oder eine Instabilität vermutet wird oder eine interventionelle beziehungsweise operative Behandlung erwogen wird.
Ja. Die Erkrankung kann sich auch ohne invasive Behandlung bessern. Trotzdem kann ein strukturierter Therapieplan sinnvoll sein, wenn Beschwerden die Arbeit, den Alltag oder Sport deutlich einschränken oder über längere Zeit bestehen. Ziel ist dabei nicht nur Schmerzreduktion, sondern die Wiederherstellung der Belastbarkeit.
Wenn Schmerzen nicht am typischen Sehnenansatz liegen, neurologische Symptome auftreten, ein Instabilitätsgefühl besteht, das Gelenk blockiert oder schwillt, ein Trauma vorausging oder trotz gut durchgeführter Therapie keine plausible Veränderung eintritt, sollte die Diagnose neu geprüft werden.
Eine Operation ist eine Ausnahme. Vorher sollten Diagnose, Belastungsprofil und konservative Therapie kritisch geprüft werden. Wenn erhebliche Beschwerden trotz langfristig strukturierter Behandlung fortbestehen oder eine andere strukturelle Pathologie vorliegt, kann eine spezialisierte operative Beurteilung sinnvoll sein. Patienten sollten wissen, dass ein konkreter Vorteil der klassischen Tennisellenbogen-Operation gegenüber Placebo nicht belegt ist.
Eine neutrale Handgelenkposition, reduzierte statische Mausspannung, kurze Bewegungspausen, wechselnde Eingabegeräte und ein aktiver Aufbau der Unterarmkraft können helfen. Ergonomie allein reicht oft nicht, wenn die Belastbarkeit der Sehne nicht wieder aufgebaut wird.
Beide können Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens verursachen. Beim Tennisellenbogen liegt die maximale Druckempfindlichkeit typischerweise näher am lateralen Epicondylus. Beim Radialtunnelsyndrom liegt die Schmerzhaftigkeit häufig weiter distal im Verlauf des Nerven. Die klinische Abgrenzung kann schwierig sein und sollte bei therapieresistenten Beschwerden gezielt erfolgen.
Kapitel 23
Beim Tennisellenbogen ist die wichtigste Therapie nicht die möglichst große Zahl an Verfahren, sondern eine saubere Diagnose und eine verständliche Belastungsstrategie. Progressive Übungen, Griffkraft und sport- beziehungsweise arbeitsbezogener Belastungsaufbau bilden die Basis. Stoßwelle, PRP, Bandagen oder physikalische Maßnahmen können bei ausgewählten Patienten ergänzen, sollten aber hinsichtlich Evidenz und Zielsetzung offen eingeordnet werden. Eine Operation ist selten und sollte erst nach kritischer Überprüfung der Diagnose und der konservativen Optionen diskutiert werden.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung, Bildbesprechung oder Therapieentscheidung.
Evidenz

Meine persönliche Einordnung
Originalbilder, Untersuchung, Sehnen- und Nervenfunktion, Verlauf sowie Ihr persönliches Alltags-, Berufs- oder Sportziel werden gemeinsam beurteilt.
Belastungssteuerung und progressiver Kraftaufbau bilden bei vielen Ellenbogenproblemen die Grundlage.
Stoßwelle, PRP beziehungsweise ACP, Hyaluronsäure oder weitere Verfahren können je nach Diagnose den aktiven Plan unterstützen.
Ein Eingriff wird erwogen, wenn eine konkret behandelbare Struktur die relevante Einschränkung erklärt.
Mitbringen: Original-MRT-, Ultraschall- oder Röntgendaten, radiologischen Befund, frühere Aufnahmen und Operationsberichte sowie eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlung.
Tennisellenbogen-ZweitmeinungSprechstunde in München
Im Termin besprechen wir, ob Rehabilitation fortgesetzt, eine Zusatzbehandlung ergänzt oder eine Operation geprüft werden sollte.