PRP und ACP sind autologe Blutprodukte, die in der Orthopädie unter anderem bei Kniearthrose sowie ausgewählten Sehnen- und Gelenkbeschwerden eingesetzt werden. Die entscheidende Frage ist nicht, ob „Eigenblut“ grundsätzlich wirkt, sondern welches Präparat bei welcher Diagnose sinnvoll ist. PRP ist kein einheitlicher Wirkstoff: Thrombozytenkonzentration, Leukozytenanteil, Erythrozytenanteil, Volumen, Aktivierung und Injektionsprotokoll können sich erheblich unterscheiden. Entsprechend unterschiedlich sind auch Studienergebnisse und Empfehlungen.
Was ist PRP?
PRP steht für platelet-rich plasma, also plättchenreiches Plasma. Nach Blutentnahme und Zentrifugation wird eine Plasmafraktion mit gegenüber dem Ausgangsblut erhöhter Thrombozytenkonzentration gewonnen. Thrombozyten setzen zahlreiche Wachstumsfaktoren und Signalstoffe frei, die Entzündungs- und Heilungsprozesse beeinflussen können. Diese biologische Plausibilität ist wichtig, beweist aber nicht automatisch eine strukturelle Regeneration von Knorpel oder Sehne.
Kommerzielle Systeme unterscheiden sich erheblich. In Übersichtsarbeiten reichen die Thrombozytenkonzentrationen je nach System von ungefähr 1,6- bis 18-fach gegenüber dem Ausgangsblut; auch Leukozyten- und Erythrozytenanteil variieren deutlich. Deshalb ist die Frage „Ist PRP gut?“ medizinisch zu grob. Besser ist: Welches PRP wurde bei dieser Diagnose mit welchem Protokoll untersucht?
Was ist ACP?
ACP bedeutet autologous conditioned plasma und bezeichnet ein kommerziell aufbereitetes, typischerweise leukozytenarmes PRP. ACP ist daher kein völlig anderer Wirkstoff, sondern eine bestimmte Form beziehungsweise ein bestimmtes Aufbereitungssystem eines autologen Blutprodukts. Aus der Bezeichnung allein lässt sich keine generelle Überlegenheit gegenüber anderen PRP-Systemen ableiten.
Warum ist die Zusammensetzung wichtig?
- Thrombozytenkonzentration und Gesamtzahl
- Leukozytengehalt – leukozytenarm oder leukozytenreich
- Erythrozytenanteil
- Aktivierung oder Nichtaktivierung
- Endvolumen und Injektionsvolumen
- einmalige vs. serielle Injektionen
- Abstand zwischen den Sitzungen
- bildgestützte Injektionstechnik
- Begleittherapie und Rehabilitationsprotokoll
- 01Diagnose festlegenSchmerzquelle und Zielstruktur klinisch sichern
- 02Präparat beschreibenThrombozyten, Leukozyten, Volumen und Aufbereitung benennen
- 03Gezielt behandelnInjektion mit Rehabilitation und Belastungssteuerung verbinden
- 04Erfolg prüfenSchmerz, Funktion und Belastbarkeit nach definiertem Zeitraum bewerten
Wie gut ist die Studienlage insgesamt?
Die Evidenz ist indikationsabhängig. Für Kniearthrose gibt es inzwischen zahlreiche randomisierte Studien, Metaanalysen, Konsensuspapiere und aktuelle Guidance Statements. Gleichzeitig bleiben Präparate und Protokolle heterogen. Für viele Muskel-, Band- und Sehnenverletzungen ist die Datenlage deutlich schwächer oder inkonsistent. Deshalb sollte PRP nicht pauschal als „regenerative Therapie für alles“ angeboten werden.
Die 2026 veröffentlichte AAPM&R-Guidance zu PRP bei Kniearthrose fasst den aktuellen Wissensstand zusammen und formuliert fünf Empfehlungen sowie elf konsensbasierte Best-Practice-Punkte. Sie unterstützt einen selektiven Einsatz bei Kniearthrose, betont aber ausdrücklich den Bedarf an robusten, dosisabhängigen randomisierten Studien und die Bedeutung individueller klinischer Beurteilung.
PRP und ACP bei Kniearthrose
Bei leichter bis moderater Kniearthrose kann PRP bei ausgewählten Patienten Schmerzen und Funktion für mehrere Monate verbessern. Metaanalysen randomisierter Studien zeigen teilweise Vorteile gegenüber Hyaluronsäure oder anderen Injektionen. Die Ergebnisse hängen jedoch von Präparat, Kontrollgruppe, Arthrosestadium und Nachbeobachtung ab. Gleichzeitig zeigte die große RESTORE-Studie nach zwölf Monaten keinen überzeugenden Vorteil gegenüber Placebo für Schmerz oder mediales tibiales Knorpelvolumen. Das spricht gegen einfache Heilsversprechen, nicht gegen jede symptomatische Anwendung.
Für ACP liegen positive klinische Daten vor, darunter größere Fallserien und Studien mit leukozytenarmen Präparaten. Auch hier gilt: Die Wahrscheinlichkeit einer klinisch relevanten Verbesserung ist nicht 100 %, und eine fehlende Kontrollgruppe kann den spezifischen Behandlungseffekt überschätzen.
PRP bei Patellasehnenbeschwerden
Beim Patellaspitzensyndrom ist ein progressives Belastungsprogramm die zentrale Behandlung. Moderne Rehabilitationskonzepte kombinieren Laststeuerung, progressive Kraftentwicklung, Energiespeicherbelastungen und sportartspezifische Steigerung. Für PRP zeigen Metaanalysen keine konsistente Überlegenheit gegenüber anderen Injektionen oder Kochsalz. Eine Injektion kann im Einzelfall diskutiert werden, sollte aber nicht an die Stelle eines strukturierten Sehnenprogramms treten.
PRP bei Achillessehnen-Tendinopathie
Bei chronischer Achillessehnen-Tendinopathie ist die Evidenz zurückhaltender. Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen gegenüber Placebo keinen verlässlichen Vorteil für Schmerz oder Funktion. Die Basis bleibt progressive Waden- und Sehnenbelastung, Lauf- und Sprungsteuerung und ein stufenweiser Return to Sport.
PRP bei Rotatorenmanschette und Schulter
Bei Rotatorenmanschettenbeschwerden zeigen Studien teilweise kurzfristige Verbesserungen. Als biologischer Zusatz zu einer operativen Rotatorenmanschettenrekonstruktion gibt es Hinweise auf geringere Rerupturraten in bestimmten Konstellationen, ohne dass sich daraus ein genereller klinischer Vorteil für jede Patientin und jeden Patienten ableiten lässt. Bei Schulterarthrose waren leukozytenarmes PRP und Hyaluronsäure in einer randomisierten Studie nach zwölf Monaten nicht signifikant unterschiedlich; beide Gruppen verbesserten sich.
PRP bei Muskel- und Bandverletzungen
Bei akuten Muskelverletzungen konnte PRP die Rückkehr zum Sport nicht zuverlässig verkürzen. Auch nach Kreuzbandrekonstruktion fehlen belastbare Nachweise für einen dauerhaften Vorteil bei Stabilität und Return to Sport. In diesen Bereichen bleiben Rehabilitation, neuromuskuläre Kontrolle, Belastungsprogression und objektive Funktionskriterien entscheidend.
PRP bei Knorpelschäden und Sprunggelenk
Bei fokalen Knorpelschäden und osteochondralen Talusläsionen existieren kleinere positive Studien, die Evidenz ist aber wesentlich dünner als bei Kniearthrose. Ein mechanischer Defekt, eine Fehlstellung oder Instabilität kann durch eine Injektion nicht korrigiert werden. Vor einer biologischen Zusatztherapie muss deshalb geklärt werden, ob ein fokaler Defekt, diffuse Arthrose oder eine mechanische Begleitursache vorliegt.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Da PRP und ACP aus körpereigenem Blut gewonnen werden, sind allergische systemische Reaktionen selten. Häufiger sind vorübergehende Schmerzen, Schwellung, Druckempfindlichkeit oder eine zeitweise Einschränkung der Belastbarkeit. Bei Sehneninjektionen kann die lokale Reizung zunächst zunehmen. Unabhängig vom Präparat bestehen die üblichen Risiken einer Injektion, insbesondere Infektion und Blutung.
Was sollte vor der Behandlung dokumentiert werden?
- gesicherte Diagnose und Zielstruktur
- PRP-System und Aufbereitung
- Thrombozyten-, Leukozyten- und möglichst Erythrozytencharakteristika
- Endvolumen und Anzahl der Injektionen
- Abstand der Sitzungen
- bildgestützte oder anatomisch geführte Injektion
- Rehabilitationsplan
- konkrete Erfolgskriterien nach definiertem Zeitraum
Was kostet PRP oder ACP in München?
Die Kosten hängen von Aufbereitungssystem, Anzahl der Injektionen, Bildgebung, Untersuchungsaufwand und Nachkontrollen ab. Ein seriöser Kostenplan sollte Beratung, Blutentnahme, Aufbereitung, Injektion und geplante Kontrollen offen ausweisen. Ein höherer Preis oder eine aufwendigere Aufbereitung ist für sich genommen kein Wirksamkeitsnachweis.
Wann ist eine Zweitmeinung vor PRP oder ACP sinnvoll?
Eine zweite Einschätzung ist besonders sinnvoll, wenn PRP als sichere Knorpelregeneration beworben wird, mehrere Injektionen ohne konkrete Diagnose oder Erfolgskriterien geplant sind, ein Standard-Rehabilitationsprogramm noch nicht ausreichend durchgeführt wurde oder gleichzeitig eine operative Empfehlung im Raum steht. Ebenso hilfreich ist sie, wenn unklar bleibt, welches Präparat verwendet wird.
Einschätzung aus der Praxis
Der wichtigste Qualitätsunterschied bei PRP liegt nicht im Etikett „Eigenblut“, sondern in der Indikationsstellung. Ein gutes Behandlungskonzept beantwortet vorab drei Fragen: Welche Struktur ist wirklich schmerzhaft? Welches PRP-Protokoll ist für genau diese Indikation plausibel? Und wie wird der Erfolg unabhängig von der Injektion durch Funktion, Belastbarkeit und Verlauf gemessen?
PRP-Indikationscheck
Wie lässt sich PRP oder ACP sinnvoll einordnen?
Sechs kurze Fragen strukturieren die Orientierung. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen; die Auswertung erfolgt ausschließlich lokal.
Häufige Fragen
Ist ACP dasselbe wie PRP?
ACP ist eine Form eines aufbereiteten autologen Blutprodukts und wird typischerweise als leukozytenarmes PRP eingeordnet. Es ist kein grundsätzlich anderer Wirkstoff.
Wie viele PRP-Injektionen braucht man?
Das hängt von Diagnose und Protokoll ab. Studien untersuchen sowohl einzelne als auch serielle Injektionen. Eine feste Zahl für alle Erkrankungen ist nicht nach Studienlage.
Kann PRP Knorpel aufbauen?
Eine verlässliche strukturelle Wiederherstellung normalen Gelenkknorpels ist nicht nachgewiesen. Symptomverbesserung und strukturelle Regeneration müssen getrennt bewertet werden.
Ist PRP bei Kniearthrose sinnvoll?
Bei ausgewählten Patienten mit milder bis moderater symptomatischer Kniearthrose kann PRP eine sinnvolle Option sein, insbesondere nach unzureichendem Ansprechen auf konservative Basistherapie. Endstadiumarthrose und relevante Mechanik müssen gesondert beurteilt werden.
Hilft PRP an der Achillessehne?
Für chronische Achillessehnen-Tendinopathie zeigt die aktuelle Evidenz keinen verlässlichen Vorteil gegenüber Placebo. Progressives Sehnentraining bleibt die Basis.
Wie lange muss ich nach PRP mit Sport pausieren?
Das hängt von der behandelten Struktur und vom Rehabilitationsziel ab. Entscheidend ist nicht nur die Zeit seit der Injektion, sondern die funktionelle Belastbarkeit. Bei Sehnen sollte die Belastungssteuerung Teil des Behandlungskonzepts sein.
Ist eine Ultraschallkontrolle sinnvoll?
Bei tiefen oder kleinen Zielstrukturen kann eine bildgestützte Injektion die anatomische Genauigkeit verbessern. Ob sie zwingend erforderlich ist, hängt von Region und Indikation ab.
Übernimmt die private Krankenversicherung PRP?
Die Erstattung hängt vom individuellen Vertrag und der medizinischen Begründung ab. Vor einer Serie sollte die Kostenfrage offen geklärt werden.
Fazit
PRP und ACP sind keine einheitliche Therapie, sondern eine Gruppe autologer Blutprodukte mit unterschiedlichen Zusammensetzungen und Protokollen. Die beste Evidenz besteht für ausgewählte Patienten mit milder bis moderater Kniearthrose. Bei Sehnen-, Muskel- und Bandverletzungen ist die Datenlage deutlich uneinheitlicher. Eine seriöse Anwendung verbindet deshalb präzise Diagnose, offenes Präparat, realistische Ziele und ein strukturiertes Rehabilitationskonzept.
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