Tendinopathie ohne Deformität
Schmerz und Sehnenfunktion können konservativ mit Orthese, Einlagen, Kraftaufbau und indikationsbezogenen biologischen Optionen behandelt werden.
Tibialis posterior · PCFD · Belastungsröntgen
Ihnen wurde wegen einer Schädigung der Tibialis-posterior-Sehne, eines erworbenen Knick-Senkfußes oder einer sogenannten Progressive Collapsing Foot Deformity (PCFD) eine Operation empfohlen?
Dann sollte vor allem eine Frage beantwortet werden: Ist tatsächlich primär die Sehne das Problem – oder hat sich bereits die Statik des gesamten Fußes verändert?
Eine auffällige Tibialis-posterior-Sehne im MRT bedeutet nicht automatisch, dass operiert werden muss. Umgekehrt kann eine relevante flexible oder bereits starre Fußdeformität eine weitergehende Behandlung erfordern, obwohl der MRT-Befund der Sehne allein zunächst wenig dramatisch erscheint. Für die Therapieentscheidung müssen Beschwerden, Fußform im Stand, Funktion, Flexibilität und Bildgebung zusammenpassen.
Eine Zweitmeinung bedeutet dabei nicht, eine Operation grundsätzlich zu vermeiden. Sie kann eine konservative Behandlung empfehlen, eine andere Rekonstruktion nahelegen – oder eine bereits vorgeschlagene Operation ausdrücklich bestätigen.
Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze
Medizinisch unterscheiden
Schmerz und Sehnenfunktion können konservativ mit Orthese, Einlagen, Kraftaufbau und indikationsbezogenen biologischen Optionen behandelt werden.
Rückfuß, Vorfußabduktion, mediale Säule und Bänder werden im Stand und auf belasteten Röntgenbildern bewertet.
Bei fixierter Fehlstellung oder Gelenkbeteiligung verändert sich das operative Konzept deutlich gegenüber einer isolierten Sehnenbehandlung.
Tibialis-posterior-Entscheidungsfinder
Sehnenfunktion, Einbein-Zehenstand, flexible oder starre Fehlstellung und Belastungsbilder führen zur Entscheidung. Der Check stellt keine Diagnose. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen.
Kapitel 01
Eine hochwertige Zweitmeinung beantwortet nicht nur die Frage, ob im MRT eine Tendinopathie oder ein Sehnenriss zu sehen ist. Entscheidend sind vielmehr mehrere Ebenen:
Schmerzen hinter dem Innenknöchel und entlang des medialen Fußgewölbes passen zur Tibialis-posterior-Sehne. Schmerzen können jedoch auch durch ligamentäre Strukturen, Gelenke oder ein Impingement im Bereich des lateralen Rückfußes verursacht werden.
Das ist eine zentrale Unterscheidung. Ein schmerzhafter, aber statisch noch weitgehend normaler Fuß benötigt eine andere Therapie als ein bereits abgeflachtes Längsgewölbe mit Rückfußvalgus und Vorfußabduktion. Die moderne PCFD-Nomenklatur trägt diesem Unterschied stärker Rechnung als ältere, hauptsächlich auf die Sehne fokussierte Modelle.
Ein flexibler Fuß lässt sich unter Entlastung beziehungsweise manuell noch korrigieren. Das eröffnet sowohl konservativ als auch operativ andere Möglichkeiten als eine rigide, häufig bereits arthrotisch veränderte Fehlstellung. Die aktuelle PCFD-Klassifikation unterscheidet deshalb grundsätzlich zwischen flexibler und rigider Deformität.
Beim einbeinigen Zehenstand sollte sich die Ferse beim Hochdrücken physiologisch nach innen bewegen. Schmerzen, fehlende Wiederholbarkeit oder ein vollständiges Versagen des Tests können auf eine funktionelle Insuffizienz hinweisen. Der Test muss jedoch zusammen mit Wadenkraft, Schmerzen, Gleichgewicht und der restlichen Untersuchung interpretiert werden.
Eine PCFD ist dreidimensional. Deshalb sollte nicht nur nach „Plattfuß ja oder nein“ beurteilt werden. Relevant können sein:
Gerade diese Aufteilung kann erklären, warum zwei Patienten mit der scheinbar gleichen Diagnose eine völlig unterschiedliche Behandlung benötigen.
Kapitel 02
Nein. Besonders bei einer frühen Sehnenproblematik und bei flexiblen Befunden sollte zunächst geprüft werden, ob eine strukturierte konservative Therapie ausreichend ausgeschöpft wurde.
Dazu können Belastungssteuerung, geeignete Einlagen oder Orthesen, ein gezielter Kraftaufbau der Fuß- und Wadenmuskulatur sowie die Behandlung relevanter Bewegungseinschränkungen gehören. Die Studienlage ist nicht perfekt, unterstützt aber insbesondere die Kombination aus Orthesen und aktivem Training gegenüber einer rein passiven Versorgung. Die Entscheidung ändert sich, wenn sich neben der Sehnenproblematik eine relevante strukturelle Fehlstellung entwickelt hat.
Kapitel 03
Kapitel 04
Bei flexiblen Deformitäten besteht eine operative Rekonstruktion häufig aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der konkreten Deformität ab.
Kapitel 05
Das bedeutet nicht automatisch, dass unmittelbar operiert werden muss. Bei diesen Konstellationen ist jedoch eine genaue Einordnung der betroffenen Strukturen besonders wichtig.
Kapitel 06
Ein abgesenktes Fußgewölbe allein beweist keine Erkrankung der Tibialis-posterior-Sehne. Es gibt asymptomatische Plattfüße, ligamentär dominierte Deformitäten und unterschiedliche Mischformen. Deshalb ist die einfache Gleichung
Plattfuß = Tibialis-posterior-Sehne kaputt = Operation
medizinisch zu kurz gegriffen. Moderne dreidimensionale Bildgebung und die PCFD-Klassifikation helfen insbesondere bei komplexen Fällen, die für Schmerzen und Funktionsverlust relevanten Komponenten genauer zu beschreiben.
Kapitel 07
Ein MRT zeigt die Tibialis-posterior-Sehne hervorragend – aber meistens im Liegen. Eine Fußdeformität zeigt sich dagegen unter Körpergewicht häufig wesentlich deutlicher.
Deshalb gehören bei der Beurteilung einer möglichen PCFD belastete Röntgenaufnahmen zu den zentralen Untersuchungen. Beurteilt werden unter anderem Rückfußachse, Längsgewölbe, Talonavikulargelenk, Vorfußabduktion, mediale Säule und mögliche Arthrose.
Kapitel 08
Der schriftliche MRT-Befund ist wichtig. Bei einer weitreichenden Therapieentscheidung kann die erneute Betrachtung der Originalbilder jedoch zusätzliche Informationen liefern.
Die Bildgebung ersetzt die funktionelle Untersuchung nicht. Erst die Kombination aus klinischem Befund, belasteter Statik und Weichteilbildgebung ergibt die Entscheidungsgrundlage.
Kapitel 09
Ein Weight-Bearing-CT ist nicht bei jeder Tibialis-posterior-Tendinopathie notwendig. Bei komplexen Deformitäten kann es jedoch zusätzliche dreidimensionale Informationen über subtalare beziehungsweise peritalare Fehlstellungen, Gelenkkongruenz und Impingement liefern. Deshalb kann es insbesondere bei komplexer Rekonstruktionsplanung oder nicht eindeutig erklärbaren Fehlstellungen interessant sein.
Kapitel 10
Bei frühen beziehungsweise flexiblen Befunden können Einlagen oder stärker stabilisierende Orthesen die mechanische Belastung reduzieren. Je ausgeprägter die Fehlstellung, desto wichtiger wird eine Versorgung, die nicht nur das Fußgewölbe polstert, sondern die Achse tatsächlich führt.
Eine Orthese sollte bei einem belastbaren Fuß möglichst nicht die gesamte Behandlung darstellen. Wichtig sind je nach Befund:
Systematische Übersichten zeigen einen möglichen zusätzlichen Nutzen aktiver Kräftigung, machen aber zugleich deutlich, dass die Zahl hochwertiger Studien weiterhin begrenzt ist.
PRP kann bei ausgewählten Sehnenproblemen diskutiert werden. Für die Tibialis-posterior-Tendinopathie ist die spezifische Evidenz bislang jedoch deutlich begrenzter als bei anderen Tendinopathien.
Eine biologische Injektion kann eine mechanisch relevante kollabierende Fußdeformität nicht korrigieren.
Deshalb muss vor einer Injektion geklärt sein, ob die Schmerzen primär aus der Sehne kommen oder bereits ein strukturelles Problem des gesamten Fußes besteht.
Kapitel 11
Bei einer relevanten Tibialis-posterior-Insuffizienz gibt es nicht die eine „Tibialis-posterior-OP“. Je nach Befund können unterschiedliche Komponenten diskutiert werden:
Die aktuelle Literatur unterstützt deshalb eher einen individualisierten Rekonstruktionsalgorithmus als eine einzelne Standardoperation. Die vorhandene Evidenz erlaubt bei vielen Verfahren keine einfache Aussage, dass ein bestimmtes Verfahren grundsätzlich überlegen ist.
Kapitel 12
Nicht: „Ist die Tibialis-posterior-Sehne gerissen?“ Sondern: „Welche Strukturen führen bei meinem Fuß zu Schmerzen und Funktionsverlust, welche Fehlstellung besteht unter Belastung – und adressiert die vorgeschlagene Operation genau diese Komponenten?“
Kapitel 13
„Bei der Tibialis-posterior-Sehne sollte die Therapieentscheidung nicht allein aus dem MRT abgeleitet werden. Entscheidend ist, ob der Fuß unter Belastung seine Form halten kann, wie der Einbein-Zehenstand funktioniert, ob die Fehlstellung noch korrigierbar ist und welche ligamentären beziehungsweise knöchernen Komponenten beteiligt sind.“
Kapitel 14
Eine Behandlung, die für einen wenig belasteten Alltag akzeptabel ist, muss nicht automatisch die beste Lösung für einen ambitionierten Läufer oder sportlich aktiven Patienten sein.
Nach rekonstruktiven Operationen ist die Rückkehr zu Sport grundsätzlich möglich, häufig aber langwierig und nicht immer auf das frühere Leistungsniveau. Deshalb sollte die Operationsentscheidung bereits vor dem Eingriff das spätere Belastungsziel berücksichtigen.
Kapitel 15
Kapitel 16
Ein neues MRT ist nicht automatisch erforderlich. Häufig kann zunächst beurteilt werden, ob die vorhandene Bildgebung die entscheidenden Fragen bereits beantwortet.
Kapitel 17
Wo bestehen Schmerzen? Wie haben sie begonnen? Hat sich die Fußform verändert? Was wurde bereits behandelt?
Fußgewölbe, Rückfußachse, Vorfußstellung und mögliche Asymmetrien werden unter Belastung beurteilt.
Einbein-Zehenstand, Kraft, Beweglichkeit und Korrigierbarkeit der Deformität sind zentrale Bestandteile.
Vorhandene Röntgen- und MRT-Aufnahmen werden mit dem klinischen Befund zusammengeführt.
Konservativ, rehabilitativ, gegebenenfalls biologisch und operativ.
Nach der Untersuchung sollte verständlich sein: Was ist das eigentliche Problem? Welche Optionen bestehen? Was spricht für und gegen eine Operation? Falls operiert wird: Welche Operation passt zur tatsächlichen Deformität?
Kapitel 18
Auch nach einer Rekonstruktion kann eine erneute Beurteilung sinnvoll sein, wenn Schmerzen, Schwellung oder Funktionsverlust bestehen bleiben. Dann geht es unter anderem um:
Eine erneute Operation ist dabei nicht automatisch die Konsequenz.
Kapitel 19
Nein. Die Therapie hängt nicht allein davon ab, ob die Sehne strukturell verändert ist. Entscheidend sind Funktion, Fußachse, Flexibilität, Beschwerden, Gelenkzustand und individuelle Belastungsziele. Bei relevanter struktureller Deformität kann eine Operation jedoch sinnvoll werden.
Nein. Ein Plattfuß kann symptomlos sein und unterschiedliche Ursachen haben. Die moderne PCFD-Systematik berücksichtigt deshalb stärker die gesamte dreidimensionale Fußdeformität und nicht ausschließlich die Tibialis-posterior-Sehne.
Für eine erste Einschätzung kann er hilfreich sein. Für eine komplexe Therapie- oder Operationsentscheidung sind Originalbilder, belastete Röntgenaufnahmen und die klinische Untersuchung häufig wesentlich aussagekräftiger.
Nicht automatisch. Zunächst sollte geprüft werden, wie aktuell und vollständig die vorhandene Untersuchung ist und welche konkrete Frage noch offen ist.
Bei frühen und flexiblen Befunden können Orthesen ein wichtiger Teil der konservativen Behandlung sein. Ob eine Operation dauerhaft vermieden werden kann, hängt jedoch vom individuellen Befund ab.
Für die Tibialis-posterior-Tendinopathie ist die spezifische Evidenz derzeit begrenzt. Vor allem korrigiert PRP keine relevante strukturelle Fußfehlstellung.
PCFD steht für Progressive Collapsing Foot Deformity. Der Begriff beschreibt eine komplexe dreidimensionale Fußdeformität und hat in der neueren Literatur ältere Bezeichnungen wie „adult acquired flatfoot deformity“ zunehmend ersetzt.
Ja. Eine medizinisch neutrale Zweitmeinung kann zu dem Ergebnis kommen, dass die vorgeschlagene Operation hinsichtlich Diagnose, Zeitpunkt und Verfahren sinnvoll ist.
Kapitel 20
Bei Beschwerden der Tibialis-posterior-Sehne entscheidet nicht allein das MRT. Die entscheidenden Fragen lauten:
Gerade vor einer komplexen Rekonstruktion oder Versteifungsoperation kann eine Zweitmeinung helfen, diese Fragen systematisch zu beantworten.
Evidenz

Meine persönliche Einordnung
Originalbilder, Untersuchung im Stand und in Bewegung, Sehnenfunktion, Fußform, Verlauf und Ihr Alltags-, Berufs- oder Sportziel werden gemeinsam beurteilt.
Belastungssteuerung, progressiver Kraftaufbau und passende Schuhe, Einlagen oder Orthesen bilden häufig die Grundlage.
Stoßwelle, PRP beziehungsweise ACP, Hyaluronsäure oder weitere Verfahren können je nach Diagnose den aktiven Plan unterstützen.
Ein Eingriff wird erwogen, wenn eine konkret behandelbare Struktur oder Fehlstellung die relevante Einschränkung erklärt.
Mitbringen: Original-MRT-, Ultraschall-, CT- oder belastete Röntgenbilder, Befund- und Operationsberichte sowie eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlung.
Fußform und Sehne einordnenSprechstunde in München
Im Termin besprechen wir Belastungsaufbau, mögliche Zusatzbehandlungen und die Frage, ob ein Eingriff medizinisch sinnvoll ist.