Distale Bizepssehne · Supinationskraft · München

Distale Bizepssehne: Zweitmeinung vor einer Operation in München

Ihnen wurde wegen eines Teilrisses oder einer Ruptur der distalen Bizepssehne eine Operation empfohlen? Bei dieser Verletzung entscheidet nicht allein, ob im MRT „Tendinose“, „Teilruptur“ oder „komplette Ruptur“ steht. Entscheidend ist, ob Bildgebung, klinischer Befund, Supinationskraft, zeitlicher Verlauf, berufliche und sportliche Belastung sowie das persönliche Funktionsziel zusammenpassen.

Eine Zweitmeinung bedeutet dabei nicht automatisch, gegen eine Operation zu entscheiden. Bei vielen Tendinopathien und kleineren Teilrissen ist eine strukturierte konservative Therapie sinnvoll. Bei einer akuten kompletten Ruptur kann eine zeitnahe operative Refixation gerade bei körperlich aktiven Menschen die bessere Option sein. Bei hochgradigen Teilrissen liegt die Entscheidung oft dazwischen – und genau hier ist die differenzierte Beurteilung besonders wichtig.

Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

Persönliche klinische Ellenbogenuntersuchung durch PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Das Wichtigste in Kürze

Ursache, Sehnenfunktion und Belastungsziel bestimmen die Therapie.

  • Nicht jede Erkrankung der distalen Bizepssehne muss operiert werden: Tendinopathien und viele Teilrisse werden zunächst konservativ behandelt.
  • Bei einer kompletten Ruptur ist nicht die Ellenbogenbeugung allein entscheidend. Klinisch besonders relevant ist der Verlust von Supinationskraft und Supinationsausdauer.
  • Eine Prozentangabe im MRT ist keine alleinige Operationsindikation. Hochgradige Teilrisse können bildgebend unterschätzt werden; der klinische Befund muss deshalb mitbeurteilt werden.
  • Bei akuter kompletter Ruptur kann längeres Abwarten die direkte Refixation technisch erschweren, weil Retraktion, Verkürzung und Vernarbung zunehmen können.
  • PRP oder ACP kann bei ausgewählten Tendinopathien ergänzend diskutiert werden, ersetzt aber keine mechanische Refixation einer komplett abgerissenen Sehne.
  • Eine gute Zweitmeinung kann die vorgeschlagene Operation bestätigen, ändern oder begründet zunächst eine konservative Strategie empfehlen.

Medizinisch unterscheiden

Nicht die Ellenbogenbeugung allein entscheidet – besonders wichtig ist die Supination.

01 · Tendinopathie

Konservativ aufbauen

Belastungssteuerung, progressive Kräftigung und indikationsbezogene biologische Ergänzungen können die Sehnenfunktion gezielt entwickeln.

02 · Teilriss

Funktion und Rissmorphologie

Supinationsschwäche, Rissausmaß, Verlauf und persönliche Belastung bestimmen, ob die konservative Strategie ausreicht.

03 · Komplette Ruptur

Zeitpunkt bewusst abwägen

Bei hohem Funktionsanspruch kann eine direkte Refixation sinnvoll sein; Alter der Verletzung und Retraktion beeinflussen das Verfahren.

Bizepssehnen-Entscheidungsfinder

Konservativ behandeln, Teilriss genauer prüfen oder Refixation besprechen?

Entstehung, Supinationskraft, Rissausmaß, Zeitpunkt und Belastungsziel bestimmen den nächsten Schritt. Der Check stellt keine Diagnose. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen.

Frage 01 / 04
Welcher Befund wurde bisher genannt?

Kapitel 01

Muss eine Verletzung der distalen Bizepssehne wirklich operiert werden?

Nein – nicht jede Verletzung der distalen Bizepssehne benötigt eine Operation. Bei Tendinopathien und vielen partiellen Rissen kann zunächst konservativ behandelt werden. Bei kompletten Rupturen ist eine operative Refixation bei aktiven Patienten häufig sinnvoll, wenn Supinationskraft und Kraftausdauer möglichst gut wiederhergestellt werden sollen. Hochgradige Teilrisse erfordern eine individuelle Abwägung aus Kraftdefizit, Rissmorphologie, Verlauf und Belastungsziel.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur „Wie viel Prozent der Sehne sind gerissen?“, sondern: Welche funktionelle Bedeutung hat der Befund für genau diesen Patienten?

Kapitel 02

Drei Entscheidungskategorien

Medizinische Vergleichstabelle
Eher konservativ behandelnOperation genauer prüfenZeitnahe operative Beurteilung sinnvoll
Tendinopathie oder kleiner/stabiler Teilrisshochgradiger oder klinisch relevanter Teilrissakute komplette Ruptur bei hohem Funktionsanspruch
Supinationskraft weitgehend erhaltenobjektivierbare Supinationsschwäche oder schnelle Ermüdungdeutlicher Kraftverlust, Retraktion oder klinisch eindeutige Avulsion
Beschwerden bessern sich unter strukturierter Rehabilitationanhaltende Beschwerden trotz gezielter konservativer TherapieBefund, bei dem längeres Abwarten die direkte Refixation erschweren könnte

Diese Kategorien sind eine Orientierung und keine starre Therapieformel. Alter, Begleiterkrankungen, Beruf, Sport, dominante Seite, Verletzungsalter und individuelle Risikobereitschaft verändern die Gewichtung.

Kapitel 03

Was muss bei einer Zweitmeinung konkret geprüft werden?

1. Handelt es sich tatsächlich um eine Tendinopathie, einen partiellen Riss oder eine komplette Ruptur?

2. Gab es ein akutes exzentrisches Trauma oder einen schleichenden Belastungsverlauf?

3. Wie stark sind Supinationskraft, Supinationsausdauer und Ellenbogenbeugekraft im Seitenvergleich eingeschränkt?

4. Passt die im MRT oder Ultraschall beschriebene Rissgröße zum klinischen Kraftverlust?

5. Wie viel Ansatzfläche ist betroffen und bestehen noch tragfähige Sehnenfasern?

6. Besteht eine relevante Retraktion; ist der Lacertus fibrosus beziehungsweise die bicipitale Aponeurose intakt und begrenzt sie die Retraktion?

7. Bestehen Begleitbefunde wie Bursitis, knöcherne Veränderungen am Radius, neurologische Symptome oder andere Ursachen für vordere Ellenbogenschmerzen?

8. Welche konservative Therapie wurde bereits durchgeführt – und war sie wirklich strukturiert, progressiv und ausreichend belastungsspezifisch?

9. Welche Anforderungen bestehen im Beruf, beim Krafttraining, im Schläger-/Wurfsport oder bei manueller Arbeit?

10. Wie lange besteht der Befund bereits, und ist eine direkte Refixation technisch voraussichtlich noch möglich?

Kapitel 04

Warum sind die Originalbilder oft wichtiger als nur der schriftliche MRT-Befund?

Der schriftliche MRT-Bericht ist eine wichtige Zusammenfassung. Bei einer Therapieentscheidung kann die direkte Beurteilung der Originalbilder jedoch zusätzliche Informationen liefern. Gerade Teilrisse der distalen Bizepssehne können schwierig zu graduieren sein; in operativ bestätigten Serien wurde das Ausmaß hochgradiger Teilrisse im MRT teilweise unterschätzt.

Für die Zweitmeinung ist deshalb relevant, ob der Bildbefund die klinische Schwäche tatsächlich erklärt. Ein Bericht mit „Tendinose“ oder „kleiner Teilruptur“ sollte nicht isoliert betrachtet werden, wenn gleichzeitig eine ausgeprägte Supinationsschwäche oder ein typischer Unfallmechanismus vorliegt.

Kapitel 05

MRT-Second-Look: Was wird bei der distalen Bizepssehne geprüft?

  • Kontinuität der Sehne: intakt, partiell gerissen oder komplett avulsiert
  • Lokalisation des Teilrisses und Beteiligung der Ansatzfläche an der Tuberositas radii
  • Restfasern und mögliche nahezu komplette Ruptur
  • Sehnenretraktion und Abstand zum knöchernen Ansatz
  • Signalveränderung und Sehnenqualität bei chronischer Tendinopathie
  • Bicipitoradiale Bursa und entzündliche Begleitreaktion
  • Lacertus fibrosus / bicipitale Aponeurose als möglicher Retraktionsbegrenzer
  • knöcherne Morphologie im Bereich der Tuberositas radii und radioulnarer Raum
  • Begleitpathologien des Ellenbogens, die die Beschwerden mit erklären können
  • bei unklaren Teilrissen: Nutzen zusätzlicher FABS-Sequenzen bzw. gezielter sonografischer Korrelation

Information Gain: „Supination statt nur Bizepscurl“

Viele Patienten beurteilen ihre Funktion vor allem danach, ob sie den Ellenbogen noch beugen können. Die Beugung kann trotz kompletter distaler Bizepssehnenruptur durch andere Muskeln relativ gut erhalten bleiben. Für die Entscheidung ist deshalb die gezielte Prüfung der Unterarm-Supination – etwa beim Drehen eines Schraubendrehers oder gegen Widerstand – oft aussagekräftiger als die reine Ellenbogenbeugung.

Kapitel 06

Welche Behandlungsmöglichkeiten müssen bei der Zweitmeinung verglichen werden?

1. Strukturierte konservative Behandlung

Bei Tendinopathien und vielen niedrig- bis mittelgradigen Teilrissen ist eine konservative Strategie plausibel, insbesondere wenn die Kraft weitgehend erhalten ist. Sie sollte mehr umfassen als Schonung: Belastungssteuerung, gezielter Kraftaufbau von Bizeps und Unterarm, Schulter- und Scapulakontrolle, Technikoptimierung und eine stufenweise Rückkehr zu den konkreten beruflichen oder sportlichen Anforderungen.

2. Injektionen und biologische Therapien

PRP oder ACP kann bei ausgewählten chronischen Tendinopathien als ergänzende Option diskutiert werden. Die spezifische Evidenz an der distalen Bizepssehne ist jedoch begrenzt und deutlich schwächer als bei häufigeren Tendinopathien. Eine Injektion kann eine komplett vom Knochen abgerissene Sehne nicht mechanisch refixieren. Kortison kann bei konkreter entzündlicher Begleitkomponente kurzfristig erwogen werden, erfordert wegen der anatomischen Nähe zu Gefäßen und Nerven aber eine sorgfältige Indikationsstellung und möglichst bildgesteuerte Applikation.

3. Operation bei persistierendem oder hochgradigem Teilriss

Bei einem klinisch relevanten Teilriss kann eine Operation sinnvoll werden, wenn eine deutliche Supinationsschwäche, ein hoher körperlicher Anspruch oder persistierende Beschwerden trotz strukturierter Therapie vorliegen. Die häufig zitierte 50-Prozent-Grenze ist dabei ein Orientierungswert, aber keine universelle Schwelle. Entscheidend ist die Kombination aus Befund und Funktion.

4. Anatomische Refixation bei akuter kompletter Ruptur

Bei einer akuten kompletten Ruptur wird die Sehne am Radius refixiert. Für aktive Patienten mit relevantem Anspruch an Supinationskraft und Kraftausdauer spricht die verfügbare Evidenz im Mittel für bessere Kraftwerte nach operativer Versorgung als nach rein konservativer Behandlung. Die Operation ist jedoch mit spezifischen Risiken verbunden, insbesondere Nervenreizungen, heterotopen Ossifikationen, selten radioulnarer Synostose sowie Re-Ruptur oder Fixationsversagen.

5. Rekonstruktion bei chronischer Ruptur

Ist die Sehne bei älterer Ruptur stark retrahiert, verkürzt oder vernarbt, kann eine spannungsfreie direkte Refixation erschwert sein. Dann muss vorab besprochen werden, ob eine direkte Reparatur noch realistisch ist oder ob intraoperativ gegebenenfalls eine Rekonstruktion mit Transplantat notwendig wird. Genau diese Konsequenz des Zeitfaktors ist ein zentraler Punkt der Zweitmeinung.

Kapitel 07

Kann die Zweitmeinung eine bereits empfohlene Operation bestätigen?

Ja. Eine neutrale Zweitmeinung kann ausdrücklich zu demselben Ergebnis kommen wie die erste Empfehlung. Bei einer akuten kompletten Ruptur mit deutlichem Supinationskraftverlust und hohem körperlichen Anspruch kann die Bestätigung einer zeitnahen Refixation sogar besonders wichtig sein. Der Wert der Zweitmeinung liegt dann darin, dass der Patient versteht, warum die Operation empfohlen wird, welche Alternativen realistisch sind und welche Konsequenzen ein Abwarten haben kann.

Kapitel 08

Welche persönlichen Ziele verändern die Entscheidung?

Nicht jede medizinisch mögliche Behandlung passt zu jedem Patienten. Eine distale Bizepssehnenverletzung wird bei einem Büroarbeitsplatz anders gewichtet als bei schwerer körperlicher Arbeit, Klettersport, CrossFit, Kraftsport oder einem Beruf mit wiederholtem Schrauben und Heben.

  • Wie wichtig ist maximale Supinationskraft im Alltag oder Beruf?
  • Wie relevant sind Kraftausdauer und wiederholtes Drehen unter Last?
  • Welche Sportart soll wieder aufgenommen werden?
  • Wie viel Rehabilitationszeit ist realistisch?
  • Wie werden Operationsrisiken gegenüber einem möglichen dauerhaften Kraftdefizit gewichtet?
  • Bestehen Begleiterkrankungen, die das Operationsrisiko verändern?

Kapitel 09

Fragen, die Sie vor einer Operation klären sollten

1. Ist die Sehne komplett gerissen oder liegt ein Teilriss vor?

2. Wie sicher ist die Graduierung im MRT – und passen die Originalbilder zur klinischen Untersuchung?

3. Wie groß ist mein objektiver Verlust an Supinationskraft und Kraftausdauer?

4. Was ist das realistische funktionelle Ziel einer Operation in meinem Fall?

5. Was ist die realistische Alternative, wenn ich zunächst nicht operieren lasse?

6. Ist mein Befund zeitkritisch oder kann eine strukturierte konservative Therapie noch sinnvoll getestet werden?

7. Ist bei meinem Befund eine direkte Refixation zu erwarten oder könnte eine Rekonstruktion mit Transplantat erforderlich werden?

8. Welcher operative Zugang und welche Fixationsmethode sind vorgesehen – und warum?

9. Welche spezifischen Risiken bestehen für sensible und motorische Nerven?

10. Wie sieht die Rehabilitation für meinen Beruf und meine Sportart konkret aus?

11. Welche Kriterien werden vor der Rückkehr zu Krafttraining oder schwerer Arbeit geprüft?

12. Welche Rolle spielen PRP, ACP oder andere Injektionen bei meinem konkreten Befund – und welches Ziel verfolgen sie?

Kapitel 10

Zweitmeinung nach bereits erfolgter Operation

Auch nach einer Refixation oder Rekonstruktion kann eine zweite Beurteilung sinnvoll sein, wenn Schmerzen, Taubheit, Bewegungseinschränkung oder Kraftverlust anhalten. Dann geht es nicht primär um die Frage, ob die erste Operation „richtig“ oder „falsch“ war, sondern darum, den aktuellen Zustand zu verstehen: Ist die Sehne intakt? Besteht eine Nervenreizung? Liegt eine heterotope Ossifikation oder Bewegungseinschränkung vor? Ist die Rehabilitation passend dosiert? Ist eine erneute Operation überhaupt notwendig oder bestehen konservative Optionen?

Kapitel 11

Welche Unterlagen sollten Sie zur Zweitmeinung mitbringen?

  • MRT- oder CT-Bilder als Originaldateien/DICOM, nicht nur den schriftlichen Befund
  • Ultraschallbilder oder -berichte, sofern vorhanden
  • MRT- und Radiologieberichte
  • Unfallbericht beziehungsweise genaue Beschreibung des Verletzungsmechanismus
  • Vorberichte und bisherige Therapieempfehlungen
  • bei bereits erfolgter Operation: OP-Bericht und Nachbehandlungsplan
  • bei sportlicher oder beruflicher Fragestellung: möglichst konkrete Beschreibung der Zielbelastung

Kapitel 12

Wie läuft die orthopädische Zweitmeinung ab?

1. Vorbefunde und Bildgebung sichten: vorhandene MRT-, Ultraschall- und gegebenenfalls Röntgenaufnahmen werden im Kontext der Fragestellung geprüft.

2. Anamnese: Unfallmechanismus, zeitlicher Verlauf, bisherige Therapie, Beruf, Sport und persönliches Funktionsziel werden erfasst.

3. Klinische Untersuchung: Sehnenkontinuität, Druckschmerz, Hook-Test beziehungsweise ergänzende Tests sowie Supinations- und Beugekraft werden beurteilt.

4. Originalbildgebung direkt beurteilen: Rissmorphologie, Restfasern, Retraktion und Begleitbefunde werden mit dem klinischen Befund abgeglichen.

5. Therapieoptionen vergleichen: konservativ, rehabilitativ, gegebenenfalls biologisch und operativ werden mit Nutzen, Grenzen und Risiken gegenübergestellt.

6. Konkrete Empfehlung: Am Ende soll feststehen, welche Option medizinisch bevorzugt wird, wie dringlich die Entscheidung ist und welcher nächste Schritt sinnvoll ist.

Einschätzung aus der Praxis

Bei der distalen Bizepssehne interessiert mich nicht nur, ob im MRT ein Teilriss beschrieben wird. Entscheidend ist, ob der Bildbefund die Supinationsschwäche, den Unfallmechanismus und die konkrete Belastung erklärt. Gerade bei Teilrissen ist diese Verbindung aus Originalbildgebung und Funktion häufig wichtiger als eine einzelne Prozentangabe.

Die eigene wissenschaftliche Arbeit zu operativ und nichtoperativ behandelten partiellen und kompletten distalen Bizepssehnenverletzungen zeigt ebenfalls, warum die Entscheidung individualisiert werden muss: subjektive Ergebnisse können in unterschiedlichen Behandlungsgruppen gut sein, während objektive Kraftziele, Patientenselektion und Studiendesign bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen.

Autor und fachliche Prüfung

PD Dr. med. Daniel P. Berthold – Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schwerpunkt Sportorthopädie und Sporttraumatologie. Wissenschaftliche Tätigkeit und Koautor einer publizierten Kohortenstudie zu operativ und nichtoperativ behandelten distalen Bizepssehnenrupturen.

Fachlich geprüft: August 2026.

Kapitel 13

Häufige Fragen

Muss jeder Teilriss der distalen Bizepssehne operiert werden?

Nein. Bei erhaltener Supinationskraft, geringer funktioneller Einschränkung und rückläufigen Beschwerden ist eine konservative Behandlung häufig sinnvoll. Eine Operation wird eher dann diskutiert, wenn ein hochgradiger Riss, deutliche Supinationsschwäche, hoher Kraftanspruch oder persistierende Beschwerden trotz strukturierter Rehabilitation vorliegen.

Ist eine komplette distale Bizepssehnenruptur immer eine OP-Indikation?

Nicht absolut. Auch eine konservative Behandlung kann bei geringem Funktionsanspruch oder erhöhtem Operationsrisiko vertretbar sein. Bei körperlich aktiven Patienten wird eine Refixation jedoch häufig bevorzugt, weil die durchschnittliche Wiederherstellung von Supinationskraft und Kraftausdauer besser ist.

Wie dringend ist die Operation nach einer kompletten Ruptur?

Eine akute komplette Ruptur sollte zeitnah fachärztlich beurteilt werden. Mit zunehmender Zeit können Retraktion, Verkürzung und Vernarbung eine direkte Refixation erschweren. Eine starre Frist gilt jedoch nicht für jeden Patienten; entscheidend sind Retraktion, Sehnenqualität, Lacertus fibrosus, klinischer Befund und operative Planung.

Kann ein MRT einen hochgradigen Teilriss übersehen?

Ja. Teilrisse sind bildgebend schwieriger zu graduieren als komplette Rupturen, und das Ausmaß kann unterschätzt werden. Deshalb sollten Originalbilder, klinische Kraftprüfung und Verletzungsmechanismus gemeinsam bewertet werden.

Brauche ich ein FABS-MRT?

Nicht in jedem Fall. Standard-MRT und hochwertiger Ultraschall reichen häufig aus. Eine FABS-Sequenz kann in unklaren Fällen helfen, den distalen Sehnenverlauf und den Grad eines Teilrisses besser darzustellen, ist aber kein automatischer Pflichtschritt.

Ist PRP oder ACP eine Alternative zur Operation?

Bei einer kompletten Ruptur nicht, wenn eine mechanische Refixation zur Wiederherstellung der Kraft angestrebt wird. Bei ausgewählten Tendinopathien kann PRP oder ACP ergänzend diskutiert werden. Die spezifische Evidenz für die distale Bizepssehne ist jedoch begrenzt.

Kann ich nach einer kompletten Ruptur den Ellenbogen trotzdem beugen?

Ja. Andere Muskeln können die Ellenbogenbeugung teilweise kompensieren. Deshalb kann eine komplette Ruptur funktionell unterschätzt werden. Besonders relevant ist die gezielte Prüfung der Supination gegen Widerstand.

Was ist bei schwerer körperlicher Arbeit besonders wichtig?

Bei manueller Arbeit sind nicht nur Schmerzfreiheit und Beweglichkeit entscheidend, sondern vor allem wiederholte Supinationsbelastung, Kraftausdauer und sichere Belastbarkeit unter Last. Ein relevanter Kraftverlust kann die Therapieentscheidung stärker in Richtung Operation verschieben.

Wann ist eine Zweitmeinung besonders sinnvoll?

Besonders dann, wenn MRT und klinischer Befund nicht zusammenpassen, ein Teilriss allein anhand einer Prozentangabe operiert werden soll, eine komplette Ruptur konservativ behandelt werden soll trotz hohen Kraftanspruchs oder bei chronischem Befund eine Rekonstruktion mit Transplantat diskutiert wird.

Was passiert, wenn die Zweitmeinung die Operation bestätigt?

Dann hat die Zweitmeinung trotzdem ihren Zweck erfüllt: Die Indikation ist verständlich überprüft, Alternativen wurden besprochen, die Dringlichkeit ist geklärt und der Patient kann die Entscheidung auf einer belastbareren Grundlage treffen.

Kapitel 14

Fazit

Bei der distalen Bizepssehne sollte die Therapie nicht allein aus einem MRT-Begriff oder einer Prozentzahl abgeleitet werden. Tendinopathie, Teilriss und komplette Ruptur unterscheiden sich grundlegend in ihrer mechanischen Bedeutung. Besonders wichtig sind Supinationskraft, Rissmorphologie, Retraktion, Verletzungsalter, bisheriger Therapieverlauf und der persönliche Anspruch an Arbeit und Sport.

Eine Zweitmeinung in München soll deshalb nicht möglichst viele Alternativen sammeln, sondern eine konkrete Entscheidung ermöglichen: weiter konservativ behandeln, die Rehabilitation optimieren, eine biologische Zusatztherapie gezielt diskutieren, eine Operation genauer prüfen oder eine zeitnahe Refixation ausdrücklich bestätigen.

Daniel Berthold untersucht Beweglichkeit und Schmerzpunkt am Ellenbogen

Meine persönliche Einordnung

Entscheidungshilfe und Zweitmeinung: Was passt zu diesem Ellenbogen?

Originalbilder, Untersuchung, Sehnen- und Nervenfunktion, Verlauf sowie Ihr persönliches Alltags-, Berufs- oder Sportziel werden gemeinsam beurteilt.

Welche Behandlung kommt infrage?

01Konservativ aufbauen

Belastungssteuerung und progressiver Kraftaufbau bilden bei vielen Ellenbogenproblemen die Grundlage.

02Sinnvoll ergänzen

Stoßwelle, PRP beziehungsweise ACP, Hyaluronsäure oder weitere Verfahren können je nach Diagnose den aktiven Plan unterstützen.

03Operation gezielt prüfen

Ein Eingriff wird erwogen, wenn eine konkret behandelbare Struktur die relevante Einschränkung erklärt.

Fragen für das Arztgespräch.

  1. Ist die Sehne partiell oder komplett gerissen?
  2. Wie stark sind Supinationskraft und Kraftausdauer beeinträchtigt?
  3. Passen Original-MRT, Unfallmechanismus und Untersuchung zusammen?

Weitere Fragen.

  1. Ist eine FABS-orientierte Bildgebung für die offene Frage hilfreich?
  2. Welche konservativen und biologischen Optionen sind noch sinnvoll?
  3. Was sind Ziel, Zeitpunkt und Rehabilitation der empfohlenen Operation?

Zum Termin mitbringen.

Mitbringen: Original-MRT-, Ultraschall- oder Röntgendaten, radiologischen Befund, frühere Aufnahmen und Operationsberichte sowie eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlung.

Bizepssehnen-Zweitmeinung
PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Über den Autor

PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit klinischem und wissenschaftlichem Schwerpunkt Sportorthopädie und Sporttraumatologie. Konservative und operative Erfahrung, aktuelle Forschung sowie biologische Verfahren fließen in die persönliche Therapieentscheidung ein.

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Bringen Sie Bilder, Befunde und den bisherigen Therapieverlauf mit.

Im Termin besprechen wir, ob Rehabilitation fortgesetzt, eine Zusatzbehandlung ergänzt oder eine Operation geprüft werden sollte.

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