Frozen Shoulder · Beweglichkeit · München

Frozen Shoulder in München: Welche Behandlung ist sinnvoll?

Eine Frozen Shoulder – medizinisch adhäsive Kapsulitis – führt typischerweise zu Schmerzen und einer zunehmenden Einschränkung sowohl der aktiven als auch der passiven Schulterbeweglichkeit. Besonders charakteristisch ist häufig die eingeschränkte Außenrotation.

Nicht jede Frozen Shoulder benötigt eine Operation. Umgekehrt sollte eine über Monate schmerzhafte und steife Schulter auch nicht ausschließlich mit dem Hinweis auf einen vermeintlich immer selbstlimitierenden Verlauf abgetan werden.

Entscheidend ist zunächst, ob tatsächlich eine Frozen Shoulder vorliegt, wie reizbar die Schulter aktuell ist, welche Bewegungsrichtungen eingeschränkt sind und welche Behandlung bereits durchgeführt wurde. Erst daraus ergibt sich eine sinnvolle individuelle Therapiestrategie.

Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

Persönliche klinische Schulteruntersuchung durch PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Das Wichtigste in Kürze

Die Therapie folgt der Ursache, Funktion und Ihrem Ziel.

  • Eine Frozen Shoulder betrifft typischerweise aktive und passive Beweglichkeit; die Außenrotation ist häufig besonders eingeschränkt.
  • Die Diagnose wird überwiegend klinisch gestellt. Röntgen oder MRT dienen vor allem dazu, andere Ursachen auszuschließen.
  • Die Behandlung erfolgt zunächst meist konservativ und sollte an Schmerzreizbarkeit und Beweglichkeit angepasst werden.
  • Eine intraartikuläre Kortisonspritze kann insbesondere in der frühen schmerzhaften Phase die Beschwerden reduzieren und dadurch die Rehabilitation erleichtern.
  • Hydrodilatation, PRP, Hyaluronsäure und supraskapuläre Nervenblockade können bei ausgewählten Patienten diskutiert werden, sind jedoch unterschiedlich gut untersucht.
  • Eine Operation wird in der Regel erst erwogen, wenn trotz qualifizierter konservativer Behandlung eine erhebliche und funktionell relevante Steife bestehen bleibt.

Medizinisch unterscheiden

Schmerzdominante und steifigkeitsdominante Phasen brauchen unterschiedliche Dosierung.

01 · Diagnose

Aktiv und passiv eingeschränkt

Die typische globale Bewegungseinschränkung wird von Sehnenriss, Arthrose und anderen Ursachen abgegrenzt.

02 · Phase

Schmerz oder Steifigkeit

In der frühen Schmerzphase ist aggressive Mobilisation oft kontraproduktiv; später wird Beweglichkeit aktiver aufgebaut.

03 · Optionen

Injektion und Hydrodilatation

Kortison, Hydrodilatation, PRP und Hyaluronsäure werden phasen- und patientenbezogen besprochen.

Frozen-Shoulder-Navigator

Schmerzphase, Steifigkeit und bisherige Therapie richtig ordnen.

Aktive und passive Beweglichkeit, Verlauf, Diabetes und Reaktion auf Therapie beeinflussen die Behandlung. Der Check stellt keine Diagnose. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen.

Frage 01 / 04
Besteht ein akutes Warnzeichen?

Kapitel 01

Kurz erklärt: Was ist eine Frozen Shoulder?

Eine Frozen Shoulder ist eine Erkrankung der Schultergelenkkapsel. Zu Beginn kann eine entzündliche Reizung im Vordergrund stehen. Im weiteren Verlauf verdickt und verkürzt sich die Gelenkkapsel. Besonders betroffen sein können das Rotatorenintervall und das korakohumerale Band.

Dadurch wird das Schultergelenk zunehmend steifer.

Der Begriff „Frozen Shoulder“ beschreibt deshalb mehr als eine schmerzhafte Schulter: Typisch ist die Kombination aus Schmerz und einer zunehmenden mechanisch wirkenden Bewegungseinschränkung.

Kapitel 02

Primäre oder sekundäre Frozen Shoulder?

Primäre Frozen Shoulder

Bei der primären oder idiopathischen Frozen Shoulder entsteht die Schultersteife ohne eindeutig auslösendes Ereignis.

Sekundäre Schultersteife

Eine sekundäre Schultersteife kann beispielsweise auftreten:

  • nach einer Verletzung,
  • nach einer Schulteroperation,
  • nach längerer Ruhigstellung,
  • oder im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen.

Ein wichtiger Risikofaktor ist Diabetes mellitus. Auch Schilddrüsenerkrankungen treten bei Patienten mit Frozen Shoulder häufiger auf.

Kapitel 03

Welche Symptome sind typisch?

  • zunehmende Schulterschmerzen,
  • nächtliche Schmerzen,
  • Schwierigkeiten beim Anziehen oder Waschen,
  • Probleme beim Greifen hinter den Rücken,
  • Einschränkung der aktiven Beweglichkeit,
  • Einschränkung der passiven Beweglichkeit,
  • besonders reduzierte Außenrotation,
  • zunehmende Steifigkeit,
  • Einschränkungen in Alltag, Beruf und Sport.

Interessant ist der Verlauf: Während die ausgeprägten Schmerzen später teilweise abnehmen können, kann die Schulter weiterhin deutlich steif bleiben.

Kapitel 04

Frozen Shoulder oder eine andere Schultererkrankung?

Nicht jede schmerzhafte Schultersteife ist eine Frozen Shoulder. Gerade vor Injektionen oder einer Operation sollte deshalb geprüft werden, ob klinischer Befund und Diagnose tatsächlich zusammenpassen.

Besonders wichtig ist die Abgrenzung gegenüber:

  • Rotatorenmanschettenverletzungen,
  • Schulterarthrose,
  • Kalkschulter,
  • strukturellen Folgen eines Traumas,
  • Beschwerden aus der Halswirbelsäule.

Ein klinisch wichtiger Unterschied

Bei einer Frozen Shoulder sind typischerweise aktive und passive Beweglichkeit eingeschränkt.

Bei einer relevanten Rotatorenmanschettenverletzung kann dagegen die aktive Bewegung aufgrund von Schmerz oder Kraftverlust erheblich eingeschränkt sein, während sich die Schulter passiv noch deutlich besser bewegen lässt.

Medizinische Vergleichstabelle
BefundFrozen ShoulderRotatorenmanschetteSchulterarthroseHalswirbelsäule
Passive Beweglichkeitglobal eingeschränkthäufig weitgehend erhaltenhäufig eingeschränktmeist nicht global eingeschränkt
Aktive Beweglichkeiteingeschränkthäufig stärker als passiveingeschränktvariabel
Außenrotationhäufig besonders reduziertSchmerz/Kraft wichtigerhäufig reduziertnicht typisch
Kraftoft schmerzbedingt reduziertfokaler Kraftverlust möglichschmerzbedingt reduziertneurologisch oder schmerzbedingt verändert
Röntgenhäufig unauffälligkann unauffällig seinhäufig degenerative VeränderungenSchulter häufig unauffällig

Kapitel 05

Einschätzung aus der Praxis

„Bei einer Frozen Shoulder entscheidet nicht allein ein MRT-Befund über die Behandlung. Besonders aussagekräftig ist das Verhältnis zwischen aktiver und passiver Beweglichkeit – und dabei insbesondere die Außenrotation.“

Wenn dieses typische Muster fehlt, sollte die Diagnose noch einmal kritisch überprüft werden.

Kapitel 06

Wie wird eine Frozen Shoulder diagnostiziert?

Die klinische Untersuchung ist entscheidend

Die Diagnose einer Frozen Shoulder wird vor allem anhand von Beschwerden und Untersuchung gestellt.

Besonders relevant sind:

  • aktive Beweglichkeit,
  • passive Beweglichkeit,
  • Außenrotation,
  • Elevation,
  • Innenrotation,
  • Kraft,
  • Schmerzlokalisation,
  • Schulterblattbewegung.

Typischer Befund

Eine deutlich eingeschränkte passive Außenrotation bei gleichzeitig global reduzierter Beweglichkeit unterstützt die Diagnose einer Frozen Shoulder.

Brauche ich ein Röntgen?

Röntgenaufnahmen können wichtig sein, um andere Ursachen einer Schultersteife auszuschließen – beispielsweise eine relevante Schulterarthrose oder knöcherne Veränderungen.

Brauche ich ein MRT?

Ein MRT ist bei einer klinisch typischen Frozen Shoulder nicht immer erforderlich.

Sinnvoll kann es insbesondere sein, wenn:

  • der Verlauf atypisch ist,
  • ein Unfall vorausgegangen ist,
  • ein deutlicher Kraftverlust besteht,
  • die Diagnose unsicher ist,
  • eine zusätzliche strukturelle Verletzung vermutet wird.

Kapitel 07

Die bessere Frage Nicht nur: „Sieht man eine Frozen Shoulder im MRT?“ Sondern: „Brauchen wir das MRT, um eine andere relevante Ursache der Beschwerden auszuschließen?“

Kapitel 08

Welche Phasen hat eine Frozen Shoulder?

Traditionell wird die Erkrankung in drei Phasen eingeteilt.

1. Freezing

Im Vordergrund stehen zunehmende Schmerzen und ein fortschreitender Bewegungsverlust.

Therapieziel: Schmerz kontrollieren und Beweglichkeit möglichst erhalten.

2. Frozen

Die Schmerzen können zurückgehen, während die Schultersteife deutlich bestehen bleibt.

Therapieziel: Beweglichkeit schrittweise verbessern.

3. Thawing

Die Beweglichkeit nimmt zunehmend wieder zu.

Therapieziel: Funktion, Kraft und Belastbarkeit zurückgewinnen.

Wichtig

Diese Phasen sind eine Orientierung und kein präziser Kalender.

Nicht jeder Patient durchläuft sie in identischer Geschwindigkeit oder eindeutig voneinander abgrenzbar.

Auch die Vorstellung, eine Frozen Shoulder heile grundsätzlich innerhalb eines festen Zeitfensters immer vollständig aus, ist zu pauschal. Bei einem Teil der Patienten können Bewegungs- oder Funktionsdefizite länger bestehen bleiben.

Kapitel 09

Welche Behandlung hilft bei einer Frozen Shoulder?

Die konservative Behandlung ist in der Regel die erste Wahl.

Sie bedeutet jedoch nicht, einfach abzuwarten. Sinnvoll ist vielmehr eine abgestimmte Kombination aus:

  • Schmerztherapie,
  • Bewegungsübungen,
  • Physiotherapie,
  • Belastungssteuerung,
  • gegebenenfalls Injektionstherapie,
  • regelmäßiger Verlaufskontrolle.

Welche Maßnahme im Vordergrund steht, hängt wesentlich davon ab, ob die Schulter aktuell vor allem schmerzhaft, steif oder beides ist.

Kapitel 10

Physiotherapie bei Frozen Shoulder

Physiotherapie bildet eine wesentliche Grundlage der Behandlung.

Mögliche Inhalte sind:

  • aktive Bewegungsübungen,
  • aktiv-assistierte Bewegungsübungen,
  • vorsichtige Gelenkmobilisation,
  • Übungen für Außenrotation,
  • Übungen für Elevation,
  • Übungen für Innenrotation,
  • Verbesserung der Schulterblattkontrolle,
  • späterer Kraftaufbau,
  • schrittweise Rückkehr zu Alltag und Sport.

Wie intensiv sollte die Physiotherapie sein?

Mehr Schmerz bedeutet nicht automatisch mehr Therapieeffekt.

Eine aggressive Mobilisation bis in starke Schmerzen ist einer kontrollierten und dosierten Mobilisation nicht eindeutig überlegen.

Gerade bei einer sehr schmerzhaften und reizbaren Schulter kann eine zu intensive Behandlung dazu führen, dass:

  • die Beschwerden zunehmen,
  • Übungen schlechter toleriert werden,
  • der Patient weniger aktiv mitarbeiten kann.

In einer späteren überwiegend steifen und weniger schmerzhaften Phase kann die Mobilisation dagegen zunehmend intensiviert werden.

Kapitel 11

Medikamente bei Frozen Shoulder

Nichtsteroidale Antirheumatika können Schmerzen kurzfristig reduzieren und beispielsweise den Schlaf erleichtern.

Eine zuverlässige Veränderung des eigentlichen Krankheitsverlaufs ist dadurch jedoch nicht zu erwarten.

Orale Kortikosteroide können kurzfristige Verbesserungen von Schmerz und Beweglichkeit bewirken. Der Nutzen ist meist zeitlich begrenzt und muss gegen mögliche Nebenwirkungen abgewogen werden.

Kapitel 12

Kortisonspritze bei Frozen Shoulder: Wann ist sie sinnvoll?

Eine intraartikuläre Kortisonspritze kann insbesondere in der frühen, schmerzhaften Phase sinnvoll sein.

Der wichtigste Nutzen besteht häufig darin, Schmerz und Funktion kurzfristig zu verbessern und dadurch Bewegung und Physiotherapie überhaupt besser zu ermöglichen.

Sie sollte daher nicht isoliert betrachtet werden.

Kapitel 13

Die entscheidende Anschlussfrage Was machen wir mit dem gewonnenen schmerzärmeren Zeitfenster? Im Idealfall folgt darauf ein strukturiertes Bewegungsprogramm.

Vor einer Kortisoninjektion sollte geklärt werden

  • Steht noch der Schmerz oder bereits überwiegend die Steifigkeit im Vordergrund?
  • Ist wirklich das Glenohumeralgelenk die Zielstruktur?
  • Soll die Injektion bildgebend kontrolliert erfolgen?
  • Welche Übungen sollen anschließend durchgeführt werden?
  • Besteht Diabetes?
  • Werden blutverdünnende Medikamente eingenommen?
  • Wurden bereits wiederholt Injektionen durchgeführt?

Eine höhere Kortisondosis ist dabei nicht automatisch wirksamer.

Kapitel 14

Hydrodilatation bei Frozen Shoulder

Bei der Hydrodilatation wird Flüssigkeit in das Schultergelenk eingebracht. Ziel ist es, die verkürzte Gelenkkapsel zu dehnen.

Das Verfahren kann insbesondere bei einer ausgeprägten Steifigkeit und deutlich eingeschränkten Außenrotation diskutiert werden.

Ist Hydrodilatation besser als Kortison?

Eine eindeutige langfristige Überlegenheit gegenüber einer normalen intraartikulären Kortisoninjektion ist bislang nicht gesichert.

Einige Untersuchungen zeigen kurzfristige Vorteile hinsichtlich Beweglichkeit, Funktion oder Schmerz. Im weiteren Verlauf können sich die Ergebnisse jedoch angleichen.

Praktische Einordnung

Frühe, schmerzdominante Frozen Shoulder

→ intraartikuläre Kortisoninjektion plus strukturierte Rehabilitation kann eine sinnvolle Ausgangsstrategie sein.

Deutliche Steifigkeit mit stark eingeschränkter Außenrotation

→ eine bildgesteuerte Hydrodilatation kann als zusätzliche Option diskutiert werden.

Keine relevante Besserung nach Injektion und Physiotherapie

→ zunächst Diagnose und bisherige Therapie überprüfen und anschließend individuell über weitere interventionelle Verfahren entscheiden.

Hydrodilatation ersetzt die aktive Rehabilitation nicht.

Kapitel 15

PRP bei Frozen Shoulder

PRP ist bei Frozen Shoulder wissenschaftlich untersucht und die neuere Studienlage ist durchaus interessant, aber noch nicht abschließend.

Systematische Reviews und Meta-Analysen berichten teilweise bessere Ergebnisse hinsichtlich Schmerz, Funktion und Beweglichkeit nach mehreren Monaten im Vergleich zu Kortison oder Physiotherapie.

Die Studien unterscheiden sich jedoch erheblich hinsichtlich:

  • PRP-Herstellung,
  • Dosis,
  • Injektionsort,
  • Zahl der Injektionen,
  • Begleittherapie.

Deshalb lässt sich derzeit kein einheitliches Standardprotokoll ableiten.

Wie lässt sich PRP sinnvoll einordnen?

PRP kann insbesondere als steroidfreie biologische Therapieoption bei ausgewählten Patienten besprochen werden.

Wichtig ist eine realistische Erwartung:

PRP sollte nicht als garantierte „Kapselregeneration“ dargestellt werden. Auch eine ausgeprägte mechanische Kapselverkürzung lässt sich durch eine Injektion nicht zuverlässig allein beseitigen.

Die mögliche Injektion sollte daher immer Bestandteil eines Behandlungskonzepts mit aktiver Rehabilitation sein.

Kapitel 16

Hyaluronsäure bei Frozen Shoulder

Auch intraartikuläre Hyaluronsäure wurde bei Frozen Shoulder untersucht.

Nach der vorliegenden Evidenz scheint Kortison insbesondere in den ersten Wochen Vorteile bei Schmerz und Funktion zu besitzen. Im mittelfristigen Verlauf können sich die Resultate angleichen.

Ein eindeutiger genereller Vorteil von Hyaluronsäure besteht damit nicht.

Sie kann jedoch bei ausgewählten Patienten als alternative Injektionsstrategie diskutiert werden.

Kapitel 17

Supraskapuläre Nervenblockade

Eine Blockade des Nervus suprascapularis verfolgt ein anderes Ziel: Sie soll vor allem den Schmerz reduzieren und dadurch Bewegung und Physiotherapie erleichtern.

Sie kann interessant sein, wenn:

  • Schmerzen die Rehabilitation erheblich einschränken,
  • oder eine Kortisoninjektion vermieden werden soll.

Die Nervenblockade behandelt allerdings nicht direkt die verkürzte Gelenkkapsel.

Kapitel 18

Muss eine Frozen Shoulder operiert werden?

Nein. Die meisten Patienten werden zunächst konservativ behandelt.

Eine Operation kann jedoch sinnvoll werden, wenn trotz qualifizierter Behandlung über einen längeren Zeitraum eine erhebliche und funktionell relevante Schultersteife bestehen bleibt.

Eine starre Zeitgrenze gibt es nicht.

Entscheidend ist nicht nur, wie viele Monate vergangen sind, sondern:

  • wie stark die Beschwerden sind,
  • wie ausgeprägt die Bewegungseinschränkung ist,
  • ob überhaupt ein Fortschritt stattfindet,
  • welche Therapie bisher durchgeführt wurde,
  • wie sehr Beruf, Alltag oder Sport eingeschränkt sind,
  • ob die Diagnose eindeutig ist.

Eher konservativ weiterbehandeln, wenn …

  • ein verständlicher Fortschritt besteht,
  • Schmerzen kontrollierbar sind,
  • Beweglichkeit langsam zunimmt,
  • die bisherige konservative Therapie noch nicht konsequent ausgeschöpft wurde.

Eine Operation sollte geprüft werden, wenn …

  • weiterhin erhebliche Schmerzen bestehen,
  • die Schulter funktionell massiv eingeschränkt bleibt,
  • über mehrere Monate kein relevanter Fortschritt eintritt,
  • qualifizierte Physiotherapie und andere geeignete Maßnahmen keine ausreichende Besserung bringen,
  • eine komplexe oder zusätzliche strukturelle Erkrankung vermutet wird.

Eine Zweitmeinung ist besonders sinnvoll, wenn …

  • bereits eine Operation empfohlen wurde,
  • mehrere Injektionen ohne nachhaltigen Effekt durchgeführt wurden,
  • die Diagnose nicht eindeutig erscheint,
  • MRT und klinischer Befund nicht zusammenpassen,
  • zwischen Manipulation und arthroskopischem Kapselrelease entschieden werden soll.

Kapitel 19

Manipulation unter Narkose oder arthroskopisches Kapselrelease?

Manipulation unter Narkose

Bei der Manipulation wird die Schulter während einer Narkose kontrolliert durchbewegt, um die verkürzte Kapsel zu lösen.

Die Beweglichkeit kann dadurch rasch verbessert werden.

Es handelt sich jedoch um eine kontrollierte Kraftanwendung ohne direkte Sicht auf die betroffenen Strukturen.

Beschriebene Risiken sind unter anderem:

  • Fraktur,
  • Luxation,
  • Verletzungen der Rotatorenmanschette,
  • Labrumverletzungen,
  • Nervenverletzungen.

Arthroskopisches Kapselrelease

Beim arthroskopischen Kapselrelease wird die verkürzte Gelenkkapsel unter direkter Sicht gezielt gelöst.

Dabei können gleichzeitig relevante Begleitbefunde im Gelenk beurteilt werden.

Das Verfahren erlaubt eine kontrollierte Freigabe der Kapsel, ist jedoch ebenfalls eine Operation mit:

  • Narkose,
  • operationsspezifischen Risiken,
  • anschließendem Rehabilitationsbedarf,
  • möglicher erneuter Schultersteife.

Welches Verfahren ist besser?

Beide Verfahren können Schmerz und Beweglichkeit verbessern.

Langfristig werden in Vergleichsstudien häufig ähnliche Ergebnisse beschrieben. Eine generelle Überlegenheit eines Verfahrens lässt sich nicht für jeden Patienten ableiten.

Wichtiger sind:

1. die korrekte Diagnose,

2. die passende Operationsindikation,

3. die Erfahrung des Operateurs,

4. die direkt anschließende Rehabilitation.

Kapitel 20

Rehabilitation nach einer Operation

Nach Manipulation oder Kapselrelease sollte die wiedergewonnene Beweglichkeit aktiv gesichert werden.

Die Nachbehandlung beginnt deshalb typischerweise früh.

Sie kann umfassen:

  • passive Bewegungsübungen,
  • aktiv-assistierte Bewegung,
  • Übungen für Außenrotation und Elevation,
  • ausreichende Schmerzbehandlung,
  • später Krafttraining,
  • Training der Schulterblattkontrolle,
  • schrittweise Rückkehr zu Arbeit und Sport.

Eine Freigabe ausschließlich nach Zeit ist nicht optimal.

Für die Rückkehr zur vollen Belastung sollten berücksichtigt werden:

  • Beweglichkeit,
  • Schmerz,
  • Kraft,
  • Schulterblattkontrolle,
  • berufliche Anforderungen,
  • sportliche Anforderungen.

Kapitel 21

Frozen Shoulder bei Diabetes

Diabetes mellitus beeinflusst nicht nur das Risiko einer Frozen Shoulder, sondern möglicherweise auch deren Verlauf.

Bei betroffenen Patienten können Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Funktionsverlust länger bestehen.

Die grundsätzliche Behandlungsstrategie verändert sich dadurch nicht automatisch.

Wichtiger werden jedoch:

  • realistische Erwartungen,
  • konsequente Rehabilitation,
  • engere Verlaufskontrollen,
  • Berücksichtigung der Blutzuckereinstellung.

Besonders bei einer Kortisonbehandlung sollte der mögliche Einfluss auf den Blutzucker individuell berücksichtigt werden.

Ein langsamerer Verlauf bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Behandlung erfolglos ist.

Kapitel 22

Welche Behandlung passt zu welcher Situation?

Medizinische Vergleichstabelle
SituationMögliche StrategieZielWichtige Grenze
Schmerzdominante FrühphasePhysiotherapie + ggf. KortisonSchmerzreduktion und Beweglichkeit ermöglichenlangfristiger Einfluss begrenzt
Überwiegend steife Schulterangepasste MobilisationBeweglichkeit verbessernaggressive Mobilisation nicht automatisch besser
Ausgeprägte Steifigkeitggf. Hydrodilatationzusätzlicher Beweglichkeitsgewinnlangfristige Überlegenheit nicht gesichert
Steroidfreie Option gewünschtPRP bei ausgewählten Patienten diskutierenSchmerz/Funktion verbessernheterogene Evidenz
Schmerz verhindert Rehabilitationsupraskapuläre Nervenblockade erwägenBewegungsübungen ermöglichenbehandelt nicht die Kapselverkürzung
Refraktäre relevante Steifeoperative BeurteilungBeweglichkeit und Funktion verbessernOP + intensive Rehabilitation erforderlich

Kapitel 23

Wann ist eine Zweitmeinung bei Frozen Shoulder sinnvoll?

Eine Zweitmeinung kann besonders hilfreich sein, wenn trotz längerer Behandlung keine eindeutige Verbesserung eintritt oder bereits eine Operation empfohlen wurde.

Dabei sollte nicht nur die Frage beantwortet werden:

Kapitel 24

Nicht nur: „Kann man operieren?“ Sondern: „Warum hat sich die Schulter bislang nicht ausreichend verbessert und welche Behandlung ist jetzt medizinisch sinnvoll?“

Eine strukturierte Zweitmeinung sollte unter anderem klären:

1. Sind aktive und passive Beweglichkeit tatsächlich global eingeschränkt?

2. Ist die Außenrotation besonders reduziert?

3. Wurden andere Ursachen ausgeschlossen?

4. Handelt es sich um eine primäre oder sekundäre Schultersteife?

5. Ist die Schulter aktuell überwiegend schmerzhaft oder überwiegend steif?

6. Passt die bisherige Physiotherapie zur aktuellen Phase?

7. Ist eine intraartikuläre Injektion sinnvoll?

8. Welche zusätzliche Bedeutung hätte eine Hydrodilatation?

9. Ist PRP im konkreten Fall eine verständliche Option?

10. Bestehen Diabetes oder andere relevante Begleiterkrankungen?

11. Wie lange wurde bereits qualifiziert konservativ behandelt?

12. Welches konkrete Ziel soll eine Operation erreichen?

13. Warum wird Manipulation oder Kapselrelease empfohlen?

14. Wie wird unmittelbar danach die Rehabilitation organisiert?

Für eine Zweitmeinung hilfreich

  • bisherige Arztberichte,
  • Röntgenbilder,
  • Original-MRT-Aufnahmen,
  • MRT-Befund,
  • Operationsberichte früherer Eingriffe,
  • Informationen zu bisherigen Injektionen,
  • bisheriger Physiotherapieverlauf.

Kapitel 25

Fazit

Eine Frozen Shoulder sollte weder vorschnell operiert noch ausschließlich „ausgesessen“ werden.

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Typisch ist eine Einschränkung sowohl der aktiven als auch der passiven Beweglichkeit mit häufig besonders reduzierter Außenrotation.

Die meisten Patienten werden zunächst konservativ behandelt. Entscheidend ist, die Therapie an die aktuelle Reizbarkeit der Schulter anzupassen.

Eine intraartikuläre Kortisoninjektion kann insbesondere in der frühen schmerzhaften Phase helfen, ein Zeitfenster für effektivere Bewegung und Rehabilitation zu schaffen. Hydrodilatation, PRP, Hyaluronsäure und supraskapuläre Nervenblockaden stellen bei ausgewählten Patienten zusätzliche Möglichkeiten dar.

Eine Operation kommt vor allem bei einer anhaltenden, funktionell relevanten Steife trotz qualifizierter konservativer Behandlung infrage.

Kapitel 26

Die entscheidende Frage Welche Behandlung passt jetzt zu Schmerz, Beweglichkeit, Krankheitsverlauf und persönlichem Funktionsziel?

Kapitel 27

Häufige Fragen zur Frozen Shoulder

Kann eine Frozen Shoulder von alleine verschwinden?

Eine Frozen Shoulder kann sich im Verlauf deutlich bessern. Der Verlauf ist jedoch individuell und nicht bei allen Patienten innerhalb eines festen Zeitraums abgeschlossen. Bei einem Teil können Bewegungseinschränkungen oder funktionelle Defizite länger bestehen bleiben.

Muss eine Frozen Shoulder operiert werden?

Nein. Die Behandlung beginnt in der Regel konservativ. Eine Operation wird vor allem dann erwogen, wenn eine erhebliche Schultersteife trotz ausreichend langer und qualifizierter Behandlung bestehen bleibt.

Ist Physiotherapie bei Frozen Shoulder sinnvoll?

Ja. Physiotherapie und Eigenübungen gehören zu den wichtigsten Bausteinen. Die Intensität sollte jedoch an die Schmerzreizbarkeit angepasst werden. Eine aggressive Mobilisation bis in starke Schmerzen ist nicht automatisch effektiver.

Hilft Kortison bei Frozen Shoulder?

Eine intraartikuläre Kortisoninjektion kann insbesondere in der frühen schmerzhaften Phase Schmerzen und Funktion kurzfristig verbessern. Dadurch kann die anschließende Physiotherapie leichter durchgeführt werden.

Was ist eine Hydrodilatation?

Dabei wird Flüssigkeit in das Schultergelenk eingebracht, um die verkürzte Gelenkkapsel zu dehnen. Insbesondere bei ausgeprägter Steifigkeit kann sie diskutiert werden. Eine eindeutige langfristige Überlegenheit gegenüber einer normalen Kortisoninjektion ist nicht gesichert.

Kann PRP bei Frozen Shoulder helfen?

PRP wurde in mehreren Studien untersucht. Neuere Reviews und Meta-Analysen berichten teilweise positive Ergebnisse bei Schmerz, Beweglichkeit und Funktion. Die Studien sind jedoch heterogen, sodass PRP derzeit nicht als einheitlich standardisierte Behandlung gelten kann.

Ist ein MRT notwendig?

Nicht immer. Die Frozen Shoulder wird überwiegend klinisch diagnostiziert. Ein MRT kann sinnvoll sein, wenn der Verlauf atypisch ist, ein Unfall vorausging, deutlicher Kraftverlust besteht oder eine zusätzliche strukturelle Erkrankung ausgeschlossen werden muss.

Warum ist die Außenrotation so wichtig?

Eine deutlich reduzierte passive Außenrotation ist ein charakteristischer Bestandteil des klinischen Bewegungsmusters einer Frozen Shoulder und hilft bei der Abgrenzung gegenüber anderen Schultererkrankungen.

Ist eine Frozen Shoulder bei Diabetes anders?

Patienten mit Diabetes können im Durchschnitt längere oder ausgeprägtere Verläufe erleben. Die grundsätzliche Behandlung bleibt ähnlich, sollte aber besonders sorgfältig gesteuert und kontrolliert werden.

Was ist besser: Manipulation oder Kapselrelease?

Für alle Patienten lässt sich kein generell überlegenes Verfahren festlegen. Entscheidend sind Indikation, individuelle Befunde, Risikoprofil, Erfahrung des Operateurs und insbesondere die postoperative Rehabilitation.

Evidenz

Wissenschaftliche Quellen

1. Ramirez J. Adhesive Capsulitis: Diagnosis and Management. American Family Physician. 2019;99(5):297–300.

2. Cho CH, Bae KC, Kim DH. Treatment Strategy for Frozen Shoulder. Clin Orthop Surg. 2019;11:249–257. doi:10.4055/cios.2019.11.3.249.

3. Alomari A, Peng P. Current concepts on the intervention for adhesive capsulitis. Exploration of Musculoskeletal Diseases. 2025.

4. Drakes S, Aboulhosn P, Pham YN, et al. Adhesive Capsulitis: Review of Current Concepts. Current Physical Medicine and Rehabilitation Reports. 2025.

5. Tang S, Tan X. Does the intervention for adhesive capsulitis in patients with diabetes differ from that for patients without diabetes? A systematic review. Medicine. 2024;103.

6. Georgiannos D, Markopoulos G, Devetzi E, Bisbinas I. Adhesive Capsulitis of the Shoulder. Is there Consensus Regarding the Treatment? Open Orthopaedics Journal. 2017;11:65–76.

7. Patel R et al. A Comprehensive Update of Adhesive Capsulitis and Minimally Invasive Treatment Options. 2020.

8. Uppal H, Evans J, Smith C. Frozen shoulder: A systematic review of therapeutic options. World J Orthop. 2015;6(2):263–268.

9. Kim SJ et al. High- versus Low-dose Steroid Injection for Adhesive Capsulitis: A Systematic Review and Meta-analysis. Pain Physician. 2023;26(5):437–447.

10. Klimek Z et al. Ultrasound-Guided Hydrodilatation vs Intra-Articular Corticosteroid Injection for Primary Adhesive Capsulitis. 2025.

11. Uhm K, Chang MC. Comparison of Effectiveness of Intraarticular Hyaluronate and Corticosteroid Injections in Adhesive Capsulitis. Pain Physician. 2024;27(7):387–400.

12. Pretorius J et al. The efficacy of platelet-rich plasma injections compared to corticosteroids and physiotherapy in adhesive capsulitis: A systematic review and meta-analysis. Journal of Orthopaedics. 2023;47:35–44.

13. Peng R, Chen H, Li P. Platelet-Rich Plasma vs Corticosteroid for Primary Frozen Shoulder: Meta-analysis of randomized trials. Journal of Back and Musculoskeletal Rehabilitation. 2026.

14. Yip M et al. Treatment of Adhesive Capsulitis of the Shoulder: A Critical Analysis Review. JBJS Reviews. 2018;6:e5.

15. Rossi L, Ranalletta M. Current Concepts in the Treatment of Adhesive Capsulitis of the Shoulder. 2019.

Persönliche Befund- und Bildbesprechung bei Schulterbeschwerden

Meine persönliche Einordnung

Entscheidungshilfe und Zweitmeinung: Was passt zu dieser Schulter?

Originalbilder, Untersuchung, Funktion, Verlauf und Ihr persönliches Alltags-, Berufs- oder Sportziel werden gemeinsam beurteilt.

Welche Behandlung kommt infrage?

01Konservativ aufbauen

Aktive Rehabilitation und Belastungssteuerung bilden bei vielen Schulterproblemen die Grundlage.

02Sinnvoll ergänzen

PRP, Hyaluronsäure, Stoßwelle oder weitere Verfahren können je nach Diagnose ein aktives Behandlungskonzept unterstützen.

03Operation gezielt prüfen

Ein Eingriff wird erwogen, wenn eine konkret behandelbare Struktur die relevante Einschränkung erklärt.

Fragen für das Arztgespräch.

  1. Ist die Diagnose klinisch eindeutig?
  2. Handelt es sich um eine primäre oder sekundäre Schultersteife?
  3. Welche Phase und welches Symptom dominieren?

Weitere Fragen.

  1. War die Physiotherapie phasengerecht dosiert?
  2. Welche Rolle können Injektion, Hydrodilatation, PRP oder Hyaluronsäure spielen?
  3. Wann ist ein Kapselrelease tatsächlich sinnvoll?

Zum Termin mitbringen.

Mitbringen: Original-MRT-, CT- oder Röntgendaten, radiologischen Befund, frühere Aufnahmen und Operationsberichte sowie eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlung.

Frozen Shoulder einordnen
PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Über den Autor

PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit klinischem und wissenschaftlichem Schwerpunkt Schulter- und Sportorthopädie. Konservative und operative Erfahrung, aktuelle Forschung sowie biologische Verfahren fließen in die persönliche Therapieentscheidung ein.

Sprechstunde in München

Bringen Sie Bilder, Befunde und den bisherigen Therapieverlauf mit.

Im Termin besprechen wir Rehabilitation, mögliche Zusatzbehandlungen und die Frage, ob ein Eingriff medizinisch sinnvoll ist.

AnfrageTermin buchen