Schulterarthrose · Gelenkerhalt · Prothese

Schulterarthrose: Behandlung und Zweitmeinung in München

Schmerzen, zunehmende Steifigkeit und Schwierigkeiten beim Heben oder Drehen des Arms können durch eine Arthrose des Schultergelenks entstehen. Entscheidend ist jedoch nicht allein, wie stark der Verschleiß auf einem Röntgenbild oder im MRT aussieht. Bildgebung, Beschwerden, Beweglichkeit, Rotatorenmanschette und individuelle Belastungsziele müssen zusammenpassen.

Gerade vor einer Arthroskopie oder Schulterprothese sollte deshalb geklärt werden: Ist die Arthrose tatsächlich die wesentliche Schmerzquelle? Sind konservative Möglichkeiten sinnvoll ausgeschöpft? Und falls ein Gelenkersatz notwendig erscheint: Ist eine anatomische oder eine inverse Schulterprothese für die individuelle Situation geeigneter?

Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

Persönliche klinische Schulteruntersuchung durch PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Das Wichtigste in Kürze

Die Therapie folgt der Ursache, Funktion und Ihrem Ziel.

  • Nicht jede sichtbare Schulterarthrose muss operiert werden.
  • Der radiologische Arthrosegrad stimmt nicht immer mit Schmerz und Funktion überein.
  • Röntgen ist für die Beurteilung der Arthrose besonders wichtig; MRT oder Ultraschall beantworten zusätzliche Fragen zur Rotatorenmanschette und anderen möglichen Schmerzquellen.
  • Physiotherapie, Belastungssteuerung, Medikamente und ausgewählte Injektionstherapien können vor einer Operation sinnvoll sein.
  • Hyaluronsäure und PRP können bei ausgewählten Patienten als symptomorientierte Behandlungsversuche diskutiert werden; eine sichere Knorpelneubildung oder Vermeidung einer Prothese ist damit nicht belegt.
  • Eine Schulterprothese wird nicht allein nach einem Bildbefund empfohlen, sondern bei relevanten Beschwerden und Funktionsverlust unter Berücksichtigung der gesamten klinischen Situation.
  • Ob eine anatomische oder inverse Schulterprothese sinnvoller ist, hängt unter anderem von Rotatorenmanschette, Gelenkpfanne, Knochenverlust und funktionellen Anforderungen ab.

Medizinisch unterscheiden

Arthrosegrad, Manschette und Funktion führen zur passenden Behandlungsstufe.

01 · Konservativ

Gelenkerhalt ausschöpfen

Training, Belastungssteuerung, PRP und Hyaluronsäure können je nach Stadium sinnvoll kombiniert werden.

02 · Anatomisch

Manschette funktionsfähig

Bei erhaltener Rotatorenmanschette kann eine anatomische Prothese die Gelenkmechanik nachbilden.

03 · Invers

Biomechanik verändern

Bei unzureichender Manschette oder komplexer Deformität kann das inverse Prinzip Vorteile bieten.

Schulterarthrose-Entscheidungsfinder

Gelenkerhalt, Injektion oder Schulterprothese?

Beschwerdeursache, Rotatorenmanschette, Knochenform, Vorbehandlung und Funktionsziel bestimmen die Behandlungsstufe. Der Check stellt keine Diagnose. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen.

Frage 01 / 04
Besteht ein akutes Warnzeichen?

Kapitel 01

Kurz erklärt: Was ist eine Schulterarthrose?

Unter einer Schulterarthrose wird meist die Arthrose des Glenohumeralgelenks, also des eigentlichen Schulterhauptgelenks zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne, verstanden.

Dabei geht Gelenkknorpel zunehmend verloren. Der Gelenkspalt kann schmaler werden, am Knochen können sich Osteophyten bilden und im fortgeschrittenen Stadium können sich Form und Stellung von Oberarmkopf und Gelenkpfanne verändern.

Davon zu unterscheiden ist die Arthrose des Schultereckgelenks, des sogenannten AC-Gelenks. Beide Erkrankungen können gleichzeitig bestehen, verursachen aber nicht zwangsläufig dieselben Beschwerden und benötigen nicht automatisch dieselbe Behandlung.

Kapitel 02

Welche Ursachen kann eine Schulterarthrose haben?

Eine Glenohumeralarthrose kann ohne einzelne vorausgehende Verletzung entstehen. Daneben gibt es sekundäre Formen, beispielsweise nach:

  • Schulterfrakturen
  • wiederholten Luxationen oder Instabilitäten
  • früheren Operationen
  • Veränderungen der Gelenkpfannenform
  • Durchblutungsstörungen des Oberarmkopfes
  • entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
  • langjähriger schwerer Rotatorenmanschetteninsuffizienz

Die genaue Ursache ist wichtig. Eine primäre Glenohumeralarthrose, eine Rotatorenmanschettenarthropathie und eine posttraumatische Fehlstellung sind unterschiedliche Ausgangssituationen und können unterschiedliche Operationsverfahren erforderlich machen.

Kapitel 03

Welche Beschwerden sind typisch?

Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen und eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit.

Häufig berichten Patienten über Probleme beim:

  • Anheben des Arms
  • Arbeiten über Schulterhöhe
  • An- und Ausziehen
  • Greifen in ein höheres Regal
  • Drehen des Arms
  • Abstützen
  • Heben von Gewichten
  • Liegen auf der betroffenen Schulter
  • Sportarten mit hoher Schulterbelastung

Mit zunehmender Arthrose können Anlauf-, Ruhe- und Nachtschmerzen hinzukommen. Besonders häufig ist die Außenrotation eingeschränkt. Bei ausgeprägter Arthrose können sowohl die aktive als auch die passive Beweglichkeit reduziert sein.

Kapitel 04

Nicht jeder Schulterschmerz kommt von der Arthrose

Kapitel 05

Eine der wichtigsten Fragen vor einer Behandlung Passt die sichtbare Arthrose wirklich zu den Beschwerden?

Ähnliche Beschwerden können unter anderem durch einen Rotatorenmanschettenriss, eine Tendinopathie, eine Kalkschulter, eine Frozen Shoulder, eine Erkrankung der langen Bizepssehne, eine AC-Gelenksarthrose oder die Halswirbelsäule verursacht werden.

Ein zusätzlich auffälliger MRT-Befund bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die stärkste sichtbare Veränderung auch die wichtigste Schmerzquelle ist.

Typische Hinweise in der Untersuchung

Medizinische Vergleichstabelle
BefundTypischer Hinweis
SchulterarthroseHäufig schmerzhafte Einschränkung der aktiven und passiven Beweglichkeit; häufig reduzierte Außenrotation.
RotatorenmanschettenrissHäufig ausgeprägterer Kraftverlust und stärkere Einschränkung der aktiven als der passiven Bewegung.
Frozen ShoulderHäufig globale und deutlich ausgeprägte passive Bewegungseinschränkung.
HalswirbelsäuleSchulterbefund möglicherweise relativ unauffällig; gegebenenfalls ausstrahlende oder neurologische Beschwerden.

Diese Unterscheidung ist einer der Gründe, weshalb ein Röntgen- oder MRT-Befund niemals isoliert beurteilt werden sollte.

Kapitel 06

Warum entscheidet das Röntgenbild nicht allein über eine Operation?

Kapitel 07

Kernaussage Ein stark verändertes Röntgenbild ist allein kein Operationsgrund. Umgekehrt können erhebliche Beschwerden bestehen, obwohl die radiologischen Veränderungen nur mäßig ausgeprägt sind.

Untersuchungen zur Glenohumeralarthrose zeigen, dass der radiologische Schweregrad nicht zuverlässig mit Schmerz und patientenberichteter Funktion übereinstimmt.

Für eine Therapieentscheidung bedeutet das: Ein Patient mit erheblichem Gelenkverschleiß und geringer funktioneller Einschränkung benötigt nicht automatisch eine Prothese. Ein anderer Patient kann trotz weniger eindrucksvoller Bildgebung erheblich eingeschränkt sein und benötigt eine genauere Suche nach der Schmerzursache.

Kapitel 08

Welche Bildgebung ist sinnvoll?

Röntgen

Das Röntgen ist für die eigentliche Arthrosebeurteilung besonders wichtig. Beurteilt werden unter anderem Gelenkspalt, Osteophyten, subchondrale Veränderungen, Stellung des Oberarmkopfes, Gelenkpfannenform und fortgeschrittene knöcherne Veränderungen.

Ultraschall

Ein hochwertiger Ultraschall kann insbesondere bei Fragen zur Rotatorenmanschette und langen Bizepssehne hilfreich sein.

MRT

Ein MRT kann sinnvoll sein, wenn zusätzlich beispielsweise eine Rotatorenmanschettenläsion, eine Bizepssehnenveränderung oder eine andere Weichteilursache abgeklärt werden soll. Das MRT ersetzt jedoch nicht automatisch ein geeignetes Röntgenbild für die Beurteilung der Glenohumeralarthrose.

CT

Wird eine Schulterprothese konkret diskutiert, gewinnt die genaue Beurteilung der Gelenkpfanne an Bedeutung. Bei komplexer Pfannenform, hinterer Subluxation oder ausgeprägtem Knochenverlust kann deshalb eine CT-Untersuchung für die Operationsplanung sinnvoll sein.

Kapitel 09

Wie wird eine Schulterarthrose untersucht?

Neben der Bildgebung sollte die klinische Untersuchung insbesondere erfassen:

  • aktive und passive Beweglichkeit
  • Innen- und Außenrotation
  • Elevation und Abduktion
  • Kraft der Rotatorenmanschette
  • Schulterblattbewegung
  • AC-Gelenk
  • lange Bizepssehne
  • Halswirbelsäule
  • Schmerzlokalisation
  • Ruhe- und Nachtschmerzen
  • tatsächliche Einschränkungen in Alltag, Beruf und Sport

Gerade ein objektiver Kraftverlust kann auf eine zusätzliche Rotatorenmanschettenläsion hinweisen und die Therapieentscheidung wesentlich verändern.

Kapitel 10

Schulterarthrose behandeln – was ist ohne Operation möglich?

Die konservative Therapie ist bei vielen Patienten zunächst sinnvoll. Ziel ist nicht das Versprechen, bereits verlorenen Gelenkknorpel sicher wieder aufzubauen. Realistische Ziele sind:

  • Schmerzen reduzieren
  • Beweglichkeit erhalten oder verbessern
  • Kraft und Belastbarkeit verbessern
  • Alltag und Sport besser tolerieren
  • eine Operation möglichst nur dann durchzuführen, wenn ihr zu erwartender Nutzen die bestehenden Einschränkungen tatsächlich rechtfertigt

Belastung anpassen statt die Schulter komplett stilllegen

Eine vollständige Ruhigstellung ist in der Regel keine gute Dauerlösung. Sinnvoller kann eine vorübergehende Anpassung besonders reizender Belastungen sein, beispielsweise:

  • wiederholte Überkopfbewegungen
  • schweres Drücken
  • hohe Stützbelastungen
  • langes Arbeiten mit angehobenem Arm
  • bestimmte Krafttrainingsübungen

Anschließend sollte die Belastbarkeit möglichst schrittweise wieder aufgebaut werden.

Physiotherapie und Training

Eine individuell angepasste Physiotherapie kann je nach Ausgangssituation insbesondere auf folgende Ziele ausgerichtet werden:

  • Erhalt und Verbesserung der Beweglichkeit
  • Mobilisation von Kapsel und Weichteilen
  • Training der Rotatorenmanschette
  • Verbesserung der Schulterblattkontrolle
  • Kraftausdauer
  • Anpassung sportlicher oder beruflicher Bewegungsabläufe

Entscheidend ist die Dosierung. Eine sehr reizbare, schmerzhafte Schulter sollte nicht aggressiv „freimobilisiert“ werden. Gleichzeitig kann eine dauerhaft zu geringe Belastung Kraft und Funktion weiter reduzieren.

Die wissenschaftliche Datenlage zur Physiotherapie bei Glenohumeralarthrose ist begrenzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Physiotherapie grundsätzlich wirkungslos wäre. Entscheidend ist vielmehr, welches Programm bei welchem Patienten mit welchem funktionellen Ziel durchgeführt wurde.

Medikamente

Zeitweise können schmerzstillende oder entzündungshemmende Medikamente sinnvoll sein. Dabei müssen Begleiterkrankungen, Nierenfunktion, Magen-Darm-Risiken, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutverdünnung und andere Medikamente berücksichtigt werden. Eine dauerhafte Einnahme ohne ärztliche Kontrolle sollte vermieden werden.

Kapitel 11

Spritzen bei Schulterarthrose: Kortison, Hyaluronsäure oder PRP?

Injektionen können bei ausgewählten Patienten Teil einer konservativen Behandlungsstrategie sein. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Symptomverbesserung und tatsächlicher struktureller Knorpelregeneration.

Kortison

Eine gezielte intraartikuläre Kortisoninjektion kann insbesondere bei einer entzündlich gereizten und schmerzhaften Phase kurzfristig Beschwerden reduzieren.

Sie kann außerdem diagnostisch hilfreich sein: Wird der typische Schmerz nach einer präzise platzierten Gelenkinjektion deutlich geringer, kann dies ein zusätzlicher Hinweis darauf sein, dass das Glenohumeralgelenk relevant an den Beschwerden beteiligt ist. Wiederholte Kortisoninjektionen sollten jedoch nicht unkritisch durchgeführt werden.

Hyaluronsäure

Für Hyaluronsäure liegen unterschiedliche Studienergebnisse vor. Bei einzelnen Patienten kann eine vorübergehende Verbesserung von Schmerzen und Funktion erreicht werden. Eine sichere Knorpelregeneration oder zuverlässige Vermeidung einer späteren Schulterprothese lässt sich daraus nicht ableiten.

Hyaluronsäure kann daher als individueller symptomorientierter Therapieversuch diskutiert werden, wenn Befund und Behandlungsziel dazu passen.

PRP

PRP – plättchenreiches Plasma – wird aus dem eigenen Blut gewonnen und enthält eine erhöhte Konzentration an Blutplättchen und damit verbundenen biologischen Signalstoffen.

Bei der Glenohumeralarthrose zeigte eine randomisierte, doppelblinde Studie nach einer ultraschallgesteuerten Injektion sowohl unter leukozytenarmem PRP als auch unter Hyaluronsäure Verbesserungen von Schmerz und Funktion. Eine Überlegenheit von PRP gegenüber Hyaluronsäure konnte über zwölf Monate nicht gezeigt werden.

Das bedeutet nicht, dass PRP grundsätzlich wirkungslos ist. Es bedeutet vielmehr, dass PRP bei Schulterarthrose derzeit als individueller biologischer Therapieversuch zur Symptomverbesserung diskutiert werden kann, ohne eine sichere Knorpelneubildung oder garantierte Operationsvermeidung zu versprechen.

Zellbasierte und andere biologische Verfahren

Auch Knochenmarkkonzentrate, zellbasierte Verfahren und andere orthobiologische Ansätze werden untersucht. Für eine reproduzierbare, dauerhafte Wiederherstellung des Gelenkknorpels oder eine verlässliche Vermeidung eines späteren Gelenkersatzes bestehen bei der Glenohumeralarthrose bislang keine robusten Nachweise.

Eine seriöse Beratung sollte deshalb genau benennen, ob eine Behandlung als symptomorientierter Versuch, als biologisches Therapiekonzept oder mit einem tatsächlichen Regenerationsanspruch angeboten wird.

Kapitel 12

Muss eine Schulterarthrose operiert werden?

Kapitel 13

Antwort zuerst Nein. Eine Schulterarthrose muss nicht allein deshalb operiert werden, weil sie im Röntgen oder MRT deutlich sichtbar ist. Entscheidend ist, ob Beschwerden, klinischer Befund, Funktion und Bildgebung zusammenpassen.

Eher konservativ weiterbehandeln, wenn …

  • Schmerzen noch akzeptabel kontrollierbar sind
  • Alltag und Schlaf nur begrenzt eingeschränkt sind
  • relevante konservative Möglichkeiten noch nicht strukturiert ausprobiert wurden
  • die Schmerzursache nicht eindeutig dem Glenohumeralgelenk zugeordnet werden kann
  • die Funktion trotz deutlicher Bildgebung noch gut ist

Eine Operation sollte genauer geprüft werden, wenn …

  • Schmerzen dauerhaft relevant sind
  • Ruhe- oder Nachtschmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen
  • Alltag, Arbeit oder Sport deutlich eingeschränkt sind
  • Beweglichkeit und Funktion zunehmend verloren gehen
  • konservative Maßnahmen keine ausreichende Verbesserung erreichen
  • der klinische Befund plausibel zur Glenohumeralarthrose passt

Eine Zweitmeinung ist besonders sinnvoll, wenn …

  • die Operation hauptsächlich mit einem auffälligen MRT oder Röntgenbild begründet wurde
  • gleichzeitig ein Rotatorenmanschettenriss vorliegt
  • eine inverse Prothese trotz weitgehend funktionsfähiger Rotatorenmanschette vorgeschlagen wurde
  • eine anatomische Prothese trotz erheblicher Glenoidveränderungen geplant ist
  • eine Arthroskopie als dauerhafte Lösung einer weit fortgeschrittenen Arthrose dargestellt wird
  • Sie zwischen konservativer Therapie, Gelenkerhalt und Schulterprothese unsicher sind

Kapitel 14

Ist eine Arthroskopie bei Schulterarthrose sinnvoll?

Eine Arthroskopie kann bei sorgfältig ausgewählten Patienten eine gelenkerhaltende Möglichkeit darstellen – insbesondere bei jüngeren und aktiven Menschen, bei denen ein Gelenkersatz möglichst hinausgezögert werden soll.

Je nach Befund können beispielsweise:

  • freie Gelenkkörper entfernt
  • Knorpeloberflächen geglättet
  • Osteophyten adressiert
  • eine verkürzte Gelenkkapsel gelöst
  • die Bizepssehne behandelt
  • zusätzliche Beschwerden im subakromialen Raum therapiert werden

Kapitel 15

Wichtig Eine Arthroskopie stellt verloren gegangenen Gelenkknorpel nicht zuverlässig wieder her.

In Studien zeigte sich bei ausgewählten Patienten eine Verbesserung von Schmerz und Funktion. Gleichzeitig mussten im weiteren Verlauf je nach Studie relevante Anteile der Patienten doch mit einer Schulterprothese versorgt werden. Eine Arthroskopie ist deshalb bei fortgeschrittener Arthrose häufig eher eine gelenkerhaltende Überbrückungsstrategie als eine definitive Heilung.

Kapitel 16

Wann ist eine Schulterprothese sinnvoll?

Eine Schulterprothese wird typischerweise dann diskutiert, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:

  • relevante und anhaltende Schmerzen
  • deutliche Einschränkung von Alltag oder Schlaf
  • zunehmender Funktionsverlust
  • radiologisch fortgeschrittene Arthrose
  • nicht ausreichende Wirkung konservativer Therapien
  • eine plausible Wahrscheinlichkeit, dass der Gelenkersatz tatsächlich das wesentliche Problem verbessert

Es gibt keine einzelne Röntgenstufe und kein bestimmtes Alter, ab denen automatisch eine Prothese notwendig ist.

Kapitel 17

Anatomische oder inverse Schulterprothese?

Diese Frage gehört zu den wichtigsten Punkten einer präoperativen Zweitmeinung.

Anatomische Schulterprothese

Bei einer anatomischen Totalprothese wird die natürliche Gelenkgeometrie möglichst rekonstruiert. Sie ist insbesondere dann eine mögliche Option, wenn die Rotatorenmanschette ausreichend funktionsfähig ist, der Knochenbestand geeignet ist und die Gelenkpfanne rekonstruiert werden kann.

Ein wichtiger langfristiger Aspekt sind unter anderem Veränderungen beziehungsweise Lockerungen der Glenoidkomponente sowie eine mögliche spätere Rotatorenmanschetteninsuffizienz.

Inverse Schulterprothese

Bei der inversen Schulterprothese wird das Gelenkprinzip umgekehrt. Die Kugel befindet sich auf der Schulterblattseite und die konkave Gelenkfläche am Oberarm. Dadurch kann der Deltamuskel einen größeren Anteil an der Armhebung übernehmen.

Die inverse Prothese wurde insbesondere für Schultern mit nicht ausreichend funktionierender Rotatorenmanschette entwickelt. Sie kann inzwischen auch bei bestimmten Patienten mit intakter Manschette diskutiert werden, beispielsweise bei komplexem Glenoidknochenverlust, ausgeprägter hinterer Subluxation oder schwieriger Pfannenmorphologie.

Ist die inverse Prothese besser?

Kapitel 18

Antwort zuerst Nein. Die inverse Schulterprothese ist nicht automatisch die modernere oder bessere Lösung. Ebenso ist eine anatomische Prothese bei intakter Rotatorenmanschette nicht automatisch immer überlegen.

Die Entscheidung sollte unter anderem berücksichtigen:

  • Funktionsfähigkeit der Rotatorenmanschette
  • Gelenkpfannenform
  • Knochenverlust
  • Stellung des Oberarmkopfes
  • vorausgegangene Operationen
  • Knochenqualität
  • Aktivitätsniveau
  • langfristige Belastungsziele

Gerade bei komplexer Anatomie kann eine präoperative CT-Planung für diese Entscheidung besonders relevant sein.

Kapitel 19

Schulterarthrose bei jüngeren und sportlich aktiven Patienten

Bei jüngeren Patienten ist die Therapie häufig besonders anspruchsvoll. Die Beschwerden können erheblich sein, während gleichzeitig hohe Erwartungen an Kraft, Beweglichkeit, Beruf und Sport bestehen. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass eine heute implantierte Prothese im weiteren Leben möglicherweise erneut operiert werden muss.

Das Lebensalter allein darf jedoch kein Ausschlusskriterium für eine sinnvolle Behandlung sein. Entscheidend sind:

  • tatsächliche Schmerzbelastung
  • Nachtschmerz
  • Funktionsverlust
  • Sport- und Berufsziel
  • Zustand der Rotatorenmanschette
  • Gelenkgeometrie
  • Knochenqualität
  • bisherige Behandlungen
  • realistische Erwartungen an Gelenkerhalt oder Gelenkersatz

Kapitel 20

Sport mit Schulterarthrose

Sport muss nicht grundsätzlich beendet werden. Oft können Belastungsumfang, Übungsauswahl, Technik und Trainingsfrequenz so verändert werden, dass die Schulter weiterhin belastet werden kann.

Kapitel 21

Leitfrage Welche Belastung kann das individuelle Gelenk tolerieren, ohne dauerhaft stark gereizt zu reagieren?

Bei sportlich aktiven Patienten sollte die Behandlung deshalb nicht nur auf Schmerzreduktion ausgerichtet werden, sondern auf einen geplanten Weg von Return to Activity → Return to Sport → Return to Performance.

Kapitel 22

Was ist nach einer Schulterprothese realistisch?

Das wichtigste Ziel einer Schulterprothese ist in der Regel eine deutliche Reduktion der Schmerzen. Beweglichkeit und Kraft können sich ebenfalls verbessern. Das Ergebnis hängt jedoch unter anderem von:

  • Ausgangsbeweglichkeit
  • Rotatorenmanschette
  • Gelenkpfanne und Knochenqualität
  • Operationsverfahren
  • Weichteilheilung
  • Rehabilitation

Nach der Operation erfolgt die Belastungssteigerung typischerweise schrittweise: zunächst Schutz der operierten Strukturen, anschließend Wiederherstellung der Beweglichkeit und danach zunehmender Kraft- und Funktionsaufbau.

Eine Schulterprothese ist nicht mit einem völlig unbelastbaren Gelenk gleichzusetzen. Sie ist aber auch kein „neues normales Schultergelenk“ für unbegrenzt hohe Belastungen. Gerade bei Kraftsport, Kontaktsport oder hoher beruflicher Belastung sollten die später gewünschten Aktivitäten deshalb bereits vor der Operation besprochen werden.

Kapitel 23

Einschätzung aus der Praxis

Kapitel 24

Expertenbox Bei Schulterarthrose sollte nicht das „schlimmste Bild“ behandelt werden. Entscheidend ist, ob Schmerzlokalisation, passive Beweglichkeit, Kraft der Rotatorenmanschette und Bildgebung tatsächlich dasselbe Problem zeigen. Erst danach lässt sich seriös beurteilen, ob konservative Behandlung, Gelenkerhalt oder Gelenkersatz sinnvoller ist.

Kapitel 25

Zweitmeinung bei Schulterarthrose in München

Eine Zweitmeinung ist besonders sinnvoll, wenn eine Schulterprothese diskutiert wird oder wenn trotz längerer Behandlung weiterhin unklar ist, welcher Befund die Beschwerden tatsächlich verursacht.

Für eine sorgfältige Beurteilung sind – sofern vorhanden – hilfreich:

  • aktuelle und ältere Röntgenaufnahmen
  • MRT- oder CT-Aufnahmen
  • die Originalbilddaten und nicht nur der schriftliche Befund
  • Operationsberichte früherer Eingriffe
  • Informationen zu bisherigen Injektionen und deren Wirkung
  • bisherige Physiotherapie
  • Angaben zu Beruf, Sport und persönlichen Belastungszielen

Kapitel 26

Die entscheidende Frage lautet nicht lediglich „Operation – ja oder nein?“ Welche Behandlung passt zu dieser Schulter, zu diesem Beschwerdebild und zu den persönlichen Zielen – und welchen Nutzen kann man realistisch erwarten?

Kapitel 27

Häufige Fragen zur Schulterarthrose

Kann man Schulterarthrose ohne Operation behandeln?

Ja. Viele Patienten werden zunächst konservativ behandelt. Möglichkeiten sind Belastungsanpassung, individuell abgestimmte Physiotherapie, vorübergehende Schmerzmedikation und in ausgewählten Fällen Injektionen. Ob dies ausreichend ist, hängt weniger allein vom Röntgenbild als von Schmerz, Funktion und Belastungsziel ab.

Muss eine starke Schulterarthrose im Röntgen operiert werden?

Nein. Der radiologische Schweregrad allein entscheidet nicht über eine Operation. Relevant sind insbesondere Beschwerden, Beweglichkeit, Schlaf, Funktion, Rotatorenmanschette und die Frage, ob die sichtbare Arthrose tatsächlich die wesentliche Schmerzquelle ist.

Brauche ich bei Schulterarthrose ein MRT?

Nicht immer. Für die knöcherne Arthrosebeurteilung ist ein geeignetes Röntgenbild sehr wichtig. Ein MRT kann zusätzliche Informationen liefern, beispielsweise wenn die Rotatorenmanschette, die Bizepssehne oder andere Weichteilstrukturen beurteilt werden sollen.

Was ist besser bei Schulterarthrose – PRP oder Hyaluronsäure?

Eine randomisierte Studie zeigte sowohl nach leukozytenarmem PRP als auch nach Hyaluronsäure Verbesserungen von Schmerz und Funktion, ohne einen konkreten Vorteil eines der Verfahren über zwölf Monate. Die Entscheidung sollte deshalb individuell getroffen werden.

Kann PRP den Knorpel in der Schulter wieder aufbauen?

Eine mögliche Verbesserung von Schmerzen und Funktion ist von einer strukturellen Knorpelregeneration zu unterscheiden. Ein sicherer Wiederaufbau des verloren gegangenen Gelenkknorpels ist für PRP bei Glenohumeralarthrose derzeit nicht belegt.

Kann eine Arthroskopie eine Schulterprothese verhindern?

Bei ausgewählten Patienten kann eine arthroskopische Behandlung Beschwerden verbessern und einen Gelenkersatz möglicherweise hinauszögern. Gerade bei fortgeschrittener Arthrose ist sie jedoch häufig keine dauerhafte Alternative zur Prothese.

Wann braucht man eine Schulterprothese?

Eine Prothese wird typischerweise diskutiert, wenn relevante Schmerzen und Funktionsverluste dauerhaft bestehen, konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen und der klinische Befund plausibel zur fortgeschrittenen Arthrose passt.

Was ist besser – anatomische oder inverse Schulterprothese?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine wichtige Rolle spielen Rotatorenmanschette, Gelenkpfanne, Knochenverlust, Subluxation, Aktivitätsniveau und langfristige Funktionsziele.

Kann man nach einer Schulterprothese wieder Sport treiben?

Eine Rückkehr zu sportlicher Aktivität ist bei vielen Patienten möglich. Welche Sportarten und Belastungen sinnvoll sind, hängt jedoch vom Prothesentyp, Ausgangsbefund, Heilungsverlauf und der konkreten sportlichen Belastung ab. Die Rückkehr sollte funktionell und stufenweise erfolgen.

Wann sollte ich eine Zweitmeinung einholen?

Besonders sinnvoll ist sie vor einer geplanten Schulterprothese, bei unklarer Schmerzursache, bei gleichzeitigem Rotatorenmanschettenbefund, bei komplexer Glenoidanatomie oder wenn verschiedene Ärzte unterschiedliche Operationsverfahren empfehlen.

Kapitel 28

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen medizinischen Information. Er ersetzt keine individuelle Untersuchung, Diagnose oder Therapieentscheidung.

Persönliche Befund- und Bildbesprechung bei Schulterbeschwerden

Meine persönliche Einordnung

Entscheidungshilfe und Zweitmeinung: Was passt zu dieser Schulter?

Originalbilder, Untersuchung, Funktion, Verlauf und Ihr persönliches Alltags-, Berufs- oder Sportziel werden gemeinsam beurteilt.

Welche Behandlung kommt infrage?

01Konservativ aufbauen

Aktive Rehabilitation und Belastungssteuerung bilden bei vielen Schulterproblemen die Grundlage.

02Sinnvoll ergänzen

PRP, Hyaluronsäure, Stoßwelle oder weitere Verfahren können je nach Diagnose ein aktives Behandlungskonzept unterstützen.

03Operation gezielt prüfen

Ein Eingriff wird erwogen, wenn eine konkret behandelbare Struktur die relevante Einschränkung erklärt.

Fragen für das Arztgespräch.

  1. Ist die Arthrose tatsächlich die Hauptschmerzquelle?
  2. Welche konservativen und biologischen Optionen sind noch sinnvoll?
  3. Wie funktionsfähig ist die Rotatorenmanschette?

Weitere Fragen.

  1. Wie sehen Glenoidknochen und Gelenkform aus?
  2. Warum wird eine anatomische oder inverse Prothese empfohlen?
  3. Welche Beweglichkeit, Rotation und Sportbelastung sind realistisch?

Zum Termin mitbringen.

Mitbringen: Original-MRT-, CT- oder Röntgendaten, radiologischen Befund, frühere Aufnahmen und Operationsberichte sowie eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlung.

Schulterarthrose-Zweitmeinung
PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Über den Autor

PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit klinischem und wissenschaftlichem Schwerpunkt Schulter- und Sportorthopädie. Konservative und operative Erfahrung, aktuelle Forschung sowie biologische Verfahren fließen in die persönliche Therapieentscheidung ein.

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Im Termin besprechen wir Rehabilitation, mögliche Zusatzbehandlungen und die Frage, ob ein Eingriff medizinisch sinnvoll ist.

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