Fragestellung
Die konkrete offene Entscheidung wird vor der Befundprüfung konkret benannt.
AC-Gelenksarthrose
AC-Gelenksarthrose: verständliche Informationen, fachliche Einordnung und passende nächste Schritte.

Kurz eingeordnet
Entscheidungshilfe
Ist die bisherige Empfehlung schlüssig, oder sollte Diagnostik, konservative Behandlung beziehungsweise Operationsstrategie präzisiert werden?
Meine persönliche Einordnung
Ich nutze die Zweitmeinung zu AC-Gelenksarthrose: Zweitmeinung zu Schmerzen, Therapie, Operation und PRP nicht, um automatisch zu widersprechen. Ich prüfe, ob Befunde, Funktion, bisheriger Verlauf und persönliches Ziel eine verständliche gemeinsame Entscheidung ergeben.
Die konkrete offene Entscheidung wird vor der Befundprüfung konkret benannt.
Bildgebung, Untersuchung, Beschwerden und tatsächliche Einschränkung werden zusammen beurteilt.
Behandlungen, Reaktion und Belastungsentwicklung zeigen, welche Wege bereits sinnvoll erprobt wurden.
Alltag, Beruf, Sport und verfügbare Rehabilitation bestimmen, welche Option praktisch passt.
Behandlungswege
Passt eher, wenn: Diagnose, Ziel und vorgeschlagener Weg passen verständlich zusammen.
Dann klären: Ablauf, Erfolgskriterien und Rehabilitation konkretisieren.
Passt eher, wenn: Eine aktive oder indikationsbezogene biologische Behandlung bietet noch sinnvolles Potenzial.
Dann klären: Maßnahmen mit einem konkreten Ziel, Zeitraum und Verlaufskriterien festlegen.
Passt eher, wenn: Befund und Beschwerden passen noch nicht ausreichend zusammen oder mehrere Verfahren sind vertretbar.
Dann klären: Offene Informationen ergänzen und Alternativen direkt vergleichen.
Unterlagen
Arztgespräch
Eine Arthrose des AC-Gelenks, auch Schultereckgelenk genannt, kann Schmerzen an der Oberseite der Schulter verursachen. Ein auffälliger Röntgen- oder MRT-Befund beweist jedoch nicht, dass das AC-Gelenk tatsächlich die Schmerzquelle ist. Degenerative Veränderungen sind bei beschwerdefreien Schultern sehr häufig und nehmen mit dem Alter zu [1], [2].
Eine orthopädische Zweitmeinung sollte deshalb drei Fragen voneinander trennen:
Eine Operation oder eine bioregenerative Injektion sollte nicht allein aufgrund eines MRT-Befundes empfohlen werden. Entscheidend sind Schmerzlokalisation, klinische Tests, Belastungsabhängigkeit, Begleitverletzungen und der Verlauf nach einer strukturierten konservativen Behandlung [3], [4].
Das AC-Gelenk verbindet das äußere Ende des Schlüsselbeins mit dem Schulterdach. Es wird bei vielen Bewegungen belastet, insbesondere beim Heben des Arms, bei Überkopfaktivitäten und wenn der Arm vor dem Körper zur Gegenseite geführt wird.
Bei einer Arthrose können sich Knorpel und Gelenkscheibe abnutzen. Zusätzlich können sich Gelenkspaltverschmälerung, Knochenanbauten, eine verdickte Gelenkkapsel und eine Reizung des Gelenks entwickeln. Die Veränderungen können altersbedingt entstehen, nach einer Verletzung zurückbleiben oder durch wiederholte Belastungen begünstigt werden.
Unterschieden werden vor allem:
| Form | Typischer Hintergrund | Besonderheit für die Behandlung |
|---|---|---|
| Primäre AC-Gelenksarthrose | Alters- und belastungsbedingte Degeneration | Häufig zunächst konservative Therapie |
| Posttraumatische Arthrose | Fraktur, AC-Gelenk-Verletzung oder frühere Instabilität | Stabilität und Bandstrukturen mitbeurteilen |
| Arthrose bei distaler Klavikulaosteolyse | Überlastung, häufig bei Kraft- oder Kontaktsport | Nicht jede Knochenveränderung entspricht einer klassischen Arthrose |
| AC-Arthrose zusammen mit Rotatorenmanschettenriss | Kombination mehrerer Schmerzquellen | Nicht automatisch zusätzliche Resektion erforderlich |
| Arthrose nach Voroperation | Zum Beispiel nach zu großzügiger distaler Klavikularesektion | Instabilität und Knochenverlust ausschließen |
Bei einer posttraumatischen Arthrose kann eine isolierte Entfernung des äußeren Schlüsselbeinendes ungeeignet sein, wenn gleichzeitig eine relevante horizontale oder vertikale Instabilität besteht. In solchen Fällen muss die Stabilität des AC-Gelenks gezielt beurteilt werden [5].
Die Beschwerden einer symptomatischen AC-Gelenksarthrose sitzen meist direkt über dem Schultereckgelenk. Typisch sind:
Die Beschwerden sind jedoch nicht spezifisch. Ein ähnlicher Schmerz kann durch eine Rotatorenmanschetten-Tendinopathie, einen Teilriss, ein subakromiales Schmerzsyndrom, eine Bizepssehnenproblematik, eine Schulterinstabilität oder die Halswirbelsäule verursacht werden [4].
Die Diagnose einer symptomatischen AC-Gelenksarthrose ist daher eine klinische Diagnose. Ein bildgebender Befund allein reicht nicht aus.
AC-Gelenksarthrose gehört zu den häufigsten Zufallsbefunden an der Schulter. Eine systematische Übersichtsarbeit fand bei Menschen ohne behandlungsbedürftige Schulterbeschwerden degenerative Veränderungen in etwa 70 Prozent der untersuchten MRT-Schultern. Bei älteren Personen lagen die Raten in einzelnen Untersuchungen noch höher [1].
Eine weitere systematische Übersicht zeigte, dass AC-Gelenk-Veränderungen bei beschwerdefreien Schultern ähnlich häufig wie bei schmerzhaften Schultern vorkommen können. Daraus folgt: Ein MRT-Befund „ausgeprägte AC-Arthrose“ beweist nicht, dass das Gelenk die Beschwerden verursacht [2].
Für die Zweitmeinung ist deshalb wichtig, ob die Bildgebung zum Schmerzbild passt. Besonders aussagekräftig sind:
Die Untersuchung umfasst die Beweglichkeit und Kraft der Schulter, die Rotatorenmanschette, die lange Bizepssehne, das Schulterblatt, die Halswirbelsäule sowie die genaue Schmerzlokalisation.
Der Cross-Body-Test führt den Arm vor dem Körper zur Gegenseite. Werden dabei die typischen Schmerzen direkt über dem AC-Gelenk ausgelöst, unterstützt dies den Verdacht. Der Test ist jedoch nicht vollkommen spezifisch, weil auch andere Strukturen bei dieser Bewegung belastet werden können.
Zusätzlich können der Paxinos-Test, eine direkte Kompression des AC-Gelenks und die Prüfung des sogenannten Active-Compression- oder O’Brien-Tests eingesetzt werden. Kein einzelner Test sollte isoliert über eine Operation entscheiden [3], [4].
Röntgenaufnahmen können Gelenkspaltverschmälerung, Osteophyten, subchondrale Veränderungen und eine Fehlstellung zeigen. Eine spezielle Zanca-Aufnahme kann das AC-Gelenk besser darstellen als eine Standardaufnahme.
Bei einer früheren Verletzung muss zusätzlich geprüft werden, ob eine Fehlstellung, eine Instabilität oder eine alte Fraktur vorliegt. Nach einer Operation sind Resektionslänge, Implantate und die Stellung des äußeren Schlüsselbeins relevant.
Ultraschall kann Kapselverdickung, Osteophyten, Gelenkspaltveränderungen, Flüssigkeit und Begleitprobleme der Rotatorenmanschette darstellen. Er erlaubt außerdem eine dynamische Untersuchung und kann zur gezielten Injektion eingesetzt werden [4].
Ein MRT ist besonders sinnvoll, wenn die Beschwerden nicht eindeutig dem AC-Gelenk zugeordnet werden können oder Begleitverletzungen vermutet werden. Es kann unter anderem Rotatorenmanschette, Bizepssehne, Schleimbeutel, Knorpel und Knochenmarkveränderungen beurteilen.
Das MRT sollte jedoch nicht als alleinige Begründung für eine distale Klavikularesektion dienen. Die hohe Häufigkeit asymptomatischer Veränderungen macht eine klinische Korrelation notwendig [1], [2].
Eine gezielte Injektion mit einem Lokalanästhetikum kann helfen zu prüfen, ob das AC-Gelenk an den Schmerzen beteiligt ist. Wenn der typische Schmerz unmittelbar nach der Injektion deutlich nachlässt, spricht dies für eine relevante Schmerzquelle im Gelenk.
Die Aussagekraft ist allerdings begrenzt. In einer retrospektiven Studie sagte die Reaktion auf eine präoperative AC-Gelenk-Injektion den Erfolg einer späteren arthroskopischen distalen Klavikularesektion nicht zuverlässig voraus. Auch Personen mit nur geringer oder kurzfristiger Reaktion konnten nach der Operation zufrieden sein [6].
Eine diagnostische Injektion ist deshalb ein Baustein der Entscheidungsfindung, aber kein verpflichtender Beweis und kein sicherer Erfolgs- oder Misserfolgstest.
Die konservative Behandlung ist bei einer AC-Gelenksarthrose in der Regel der erste Schritt. Sie soll Schmerzen reduzieren, die Belastbarkeit verbessern und klären, ob eine Operation überhaupt erforderlich ist.
Beschwerdeauslösende Bewegungen werden zunächst reduziert oder angepasst. Dazu können tiefe Stützpositionen, schweres Bankdrücken, wiederholte Überkopfbelastungen oder Tätigkeiten mit häufigem Überkreuzen des Arms gehören.
Eine vollständige Ruhigstellung ist meist nicht sinnvoll. Ziel ist eine schrittweise Rückkehr zu den wichtigen Alltags-, Arbeits- und Sportbelastungen, ohne wiederholt starke Schmerzreaktionen auszulösen.
Physiotherapie kann die Beweglichkeit, die Schulterblattkontrolle und die Belastbarkeit der Rotatorenmanschette verbessern. Je nach Befund gehören dazu:
Die direkte Evidenz für physiotherapeutische Verfahren bei isolierter, persistierender AC-Gelenksarthrose ist allerdings schwach. Eine systematische Übersichtsarbeit fand keine hochwertigen vergleichenden Studien, die den eigenständigen Nutzen nichtmedikamentöser Maßnahmen sicher belegen [7]. Das bedeutet nicht, dass Physiotherapie wirkungslos ist. Es bedeutet, dass die Behandlung in der Praxis verbreitet ist, ihre Wirksamkeit bei dieser speziellen Diagnose aber nicht gut durch kontrollierte Studien abgesichert ist.
Je nach Vorerkrankungen können zeitweise Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. Die Auswahl muss sich an Magen, Nieren, Herz-Kreislauf-Risiken, Blutverdünnung und anderen individuellen Faktoren orientieren.
Diese Medikamente behandeln Beschwerden, nicht die strukturelle Arthrose. Eine langfristige Einnahme ohne ärztliche Kontrolle ist nicht sinnvoll.
Kortison- und Lokalanästhetikum-Injektionen gehören zu den häufig eingesetzten konservativen Verfahren. Sie können sowohl diagnostisch als auch symptomatisch eingesetzt werden.
Eine systematische Übersichtsarbeit berichtete nach Injektionen im Mittel eine Schmerzreduktion von etwa 50 Prozent. Die Wirkung war jedoch häufig zeitlich begrenzt. In den ausgewerteten Studien benötigten später etwa 59 bis 67 Prozent der behandelten Personen eine Operation [3].
Eine größere retrospektive Untersuchung definierte eine erfolgreiche Injektion als Behandlung ohne weitere Injektion oder Operation. Nach einem Jahr lag diese Erfolgsrate bei 47 Prozent. Bei den Personen ohne weitere Intervention hielt der Nutzen im Mittel mehrere Jahre an; gleichzeitig benötigten 58 Prozent der gesamten Gruppe innerhalb des Beobachtungszeitraums eine weitere Behandlung [8].
Die Daten zeigen zwei Dinge gleichzeitig:
Kortison sollte daher nicht mit Knorpelregeneration gleichgesetzt werden. Die bisherige Literatur beschreibt vor allem eine zeitweise Symptomkontrolle und keine Wiederherstellung des Gelenkknorpels [9].
PRP, ACP, Hyaluronsäure, Eigenblut, Knochenmarkaspirat und zellbasierte Verfahren werden teilweise als regenerative Behandlung der AC-Gelenksarthrose angeboten. Für die Zweitmeinung ist eine genaue Trennung erforderlich:
Die spezifische klinische Evidenz für PRP bei AC-Gelenksarthrose ist sehr begrenzt. Eine prospektive Pilotstudie umfasste lediglich 13 Patienten mit 16 behandelten Schultereckgelenken. Der mittlere Constant-Score verbesserte sich von 45 vor der Injektion auf 89 nach sechs Monaten [10].
Die Studie hatte jedoch:
Die Ergebnisse zeigen daher eine mögliche klinische Verbesserung in einer kleinen, unkontrollierten Gruppe. Sie beweisen nicht, dass PRP den Knorpel regeneriert, die Arthrose aufhält oder eine notwendige Operation ersetzt.
Hyaluronsäure kann bei verschiedenen Arthrosen zur Schmerzbehandlung untersucht werden. Für die isolierte AC-Gelenksarthrose ist die belastbare Vergleichsevidenz jedoch gering. Eine symptomatische Besserung wäre nicht automatisch ein Nachweis für eine strukturelle Reparatur.
Zellbasierte Verfahren sind biologisch interessant, aber für die routinemäßige Behandlung einer symptomatischen AC-Gelenksarthrose nicht ausreichend standardisiert. Es fehlen robuste kontrollierte Studien, die eine dauerhafte Verbesserung von Schmerz, Funktion, Knorpelstruktur und Operationsvermeidung zeigen.
| Verfahren | Was die vorhandenen Daten eher stützen | Was nicht belegt ist |
|---|---|---|
| PRP oder ACP | Mögliche symptomatische Verbesserung in kleinen Studien | Sicherer Knorpelaufbau, dauerhafte Arthrosehemmung, Ersatz einer notwendigen Operation |
| Kortison | Kurzfristige Schmerzreduktion und diagnostische Unterstützung | Knorpelregeneration oder dauerhafte Krankheitskontrolle |
| Hyaluronsäure | Mögliche zeitweise Symptomkontrolle | Überlegenheit bei AC-Arthrose und strukturelle Heilung |
| Zell- oder Stammzellverfahren | Forschungs- und Innovationspotenzial | Standardisierte, dauerhaft wirksame Regeneration des AC-Gelenks |
| Eigenblut oder andere Orthobiologika | Allenfalls ergänzende symptomorientierte Anwendung | Verlässliche Wiederherstellung von Knorpel und Gelenkfunktion |
Eine seriöse Beratung sollte deshalb konkret zwischen möglicher Symptomlinderung, experimentellem Potenzial und nachgewiesener Regeneration unterscheiden. Die vorhandene AC-spezifische Literatur trägt keine starken Werbeaussagen über eine sichere Knorpelneubildung [3], [9], [10].
Eine Operation wird üblicherweise erst erwogen, wenn:
In den verfügbaren Studien wurden vor einer Operation meist etwa vier bis sechs Monate konservative Behandlung versucht. Die Zeiträume reichten jedoch von drei bis zwölf Monaten, und die Kriterien für ein Versagen waren nicht einheitlich definiert [7]. Eine feste Wartezeit ist daher nicht für alle Fälle sinnvoll.
Bei starken, konkret lokalisierten Beschwerden, einer relevanten Arbeits- oder Sporteinschränkung und einem gut passenden klinischen Befund kann eine Operation früher diskutiert werden. Bei einem isolierten MRT-Zufallsbefund ohne typische Beschwerden besteht dagegen in der Regel keine Operationsindikation.
Bei der distalen Klavikularesektion, häufig Mumford-Operation genannt, wird das äußere Ende des Schlüsselbeins entfernt. Dadurch soll der schmerzhafte Kontakt zwischen Klavikula und Akromion beseitigt werden.
Die Operation kann offen oder arthroskopisch erfolgen. Eine systematische Übersichtsarbeit fand keine überzeugenden Unterschiede bei den funktionellen Ergebnissen zwischen beiden Zugängen [3]. Bei der arthroskopischen Technik können gleichzeitig Rotatorenmanschette, Bizepssehne, Schleimbeutel und Schulterhauptgelenk beurteilt werden. Der konkrete Vorteil hängt aber von der Begleiterkrankung und der Erfahrung des Zentrums ab.
Die Resektionsmenge muss sorgfältig gewählt werden. In der Literatur wurden überwiegend gute Ergebnisse bei einer Entfernung von etwa 0,5 bis 2 cm beschrieben. Eine zu großzügige Resektion kann jedoch Schmerzen, Instabilität oder eine gestörte Kraftübertragung begünstigen [3].
In einer prospektiven Fallserie wurden meist etwa 7 bis 8 mm, maximal 10 mm, entfernt. Die obere Kapsel und die korakoklavikulären Bandstrukturen wurden geschont. Nach mindestens zwei Jahren verbesserten sich Schmerzen, Funktion und Beweglichkeit deutlich; zwei von 59 Patienten benötigten wegen erneuter Knochenbildung oder eines verbliebenen Sporns eine Revision [11].
Mögliche Komplikationen sind:
Ein schlechteres Ergebnis ist wahrscheinlicher, wenn die Schmerzquelle vor der Operation nicht sicher bestimmt wurde, eine relevante Begleiterkrankung übersehen wird oder zu viel Knochen entfernt wird [3], [11].
AC-Gelenksarthrose tritt häufig zusammen mit degenerativen Veränderungen der Rotatorenmanschette auf. Das erschwert die Entscheidung, weil mehrere Strukturen gleichzeitig auffällig sein können.
Eine radiologische AC-Arthrose ist kein ausreichender Grund, bei einer Rotatorenmanschettenoperation zusätzlich routinemäßig das äußere Schlüsselbein zu entfernen. Eine Metaanalyse randomisierter Studien mit 208 Patienten fand keinen überzeugenden Vorteil der zusätzlichen distalen Klavikularesektion für Schmerz, Funktion, Beweglichkeit oder Reoperationsrate. In einer Studie trat Instabilität des AC-Gelenks sogar ausschließlich nach zusätzlicher Resektion auf [12].
Die distale Klavikularesektion sollte bei einer Rotatorenmanschettenoperation daher vor allem dann erwogen werden, wenn eine klinisch relevante AC-Schmerzquelle nachgewiesen oder sehr wahrscheinlich ist. Ein alleiniger MRT-Befund reicht nicht aus.
| Behandlung | Geeignete Situation | Möglicher Nutzen | Wichtige Grenze |
|---|---|---|---|
| Belastungsanpassung | Leichte bis mäßige, belastungsabhängige Beschwerden | Reduziert provozierende Belastungen | Keine strukturelle Rückbildung der Arthrose |
| Physiotherapie | Eingeschränkte Schulterblatt- oder Rotatorenmanschettenfunktion | Verbesserung von Kontrolle und Belastbarkeit | AC-spezifische Evidenz begrenzt |
| Kortison- oder Lokalanästhetikum-Injektion | Diagnostik und zeitweise Schmerzreduktion | Kurzfristige bis bei manchen längere Symptomkontrolle | Keine Knorpelregeneration, häufig weitere Behandlung nötig |
| PRP oder ACP | Ausgewählte symptomorientierte Anwendung | Mögliches klinisches Verbesserungspotenzial | Kleine unkontrollierte Studien, keine gesicherte Regeneration |
| Hyaluronsäure | Individueller Therapieversuch | Mögliche zeitweise Schmerzlinderung | Keine belastbare AC-spezifische Überlegenheit |
| Distale Klavikularesektion | Eindeutig symptomatische Arthrose nach konservativem Therapieversuch | Gute Schmerz- und Funktionsverbesserung möglich | Überresektion, Instabilität, Revision |
| Zusätzliche Resektion bei Rotatorenmanschetten-OP | Nur bei klinisch relevanter AC-Schmerzquelle | Behandlung einer zusätzlichen Schmerzquelle | Bei Zufallsbefund kein gesicherter Vorteil |
Nach einer Schultereckgelenkverletzung kann eine Arthrose zusammen mit einer bleibenden Instabilität bestehen. In dieser Situation darf nicht nur der Gelenkspalt oder der Schmerz betrachtet werden.
Vor einer distalen Klavikularesektion sollte geklärt werden:
Eine isolierte Resektion kann eine bereits vorhandene Instabilität verstärken. Bei chronischer Instabilität kann stattdessen eine Stabilisierung oder Rekonstruktion erforderlich sein [5].
Eine AC-Gelenksarthrose ist häufig und auf Bildern oft sichtbar, ohne Beschwerden zu verursachen. Für die Diagnose einer behandlungsbedürftigen Arthrose müssen Schmerzlokalisation, klinische Untersuchung, Belastungsmuster und Bildgebung zusammenpassen [1], [2].
Die konservative Behandlung umfasst Belastungsanpassung, Physiotherapie, Schmerztherapie und gegebenenfalls eine gezielte Injektion. Kortison kann vorübergehend helfen, verändert die Arthrose aber nicht nachweislich. PRP und andere bioregenerative Verfahren sind wissenschaftlich interessant, für eine sichere Knorpelregeneration oder einen verlässlichen Ersatz der Operation jedoch nicht ausreichend belegt [3], [9], [10].
Bei anhaltenden, eindeutig dem AC-Gelenk zugeordneten Beschwerden kann eine distale Klavikularesektion gute Ergebnisse ermöglichen. Die Operation sollte erst nach einer angemessenen konservativen Behandlung und einer sorgfältigen Abklärung der Schmerzquelle erwogen werden. Die Menge der Resektion muss begrenzt bleiben, weil eine Überresektion Instabilität und anhaltende Beschwerden verursachen kann [3], [11].
Eine zusätzliche AC-Gelenkresektion bei einer Rotatorenmanschettenoperation ist bei einem reinen Zufallsbefund nicht routinemäßig sinnvoll. Randomisierte Studien zeigen hierfür keinen überzeugenden Funktions- oder Schmerzvorteil [12].
Die entscheidende Frage der Zweitmeinung lautet daher: Verursacht die AC-Gelenksarthrose tatsächlich die Beschwerden – und welche Behandlung bietet für diesen Befund den besten Nutzen bei vertretbarem Risiko?
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung, Bildbesprechung oder ärztliche Therapieentscheidung.
[1] A. Rossano, N. Manohar, W. Veenendaal, M. V. D. van den Bekerom, D. Ring, and A. Fatehi, “Prevalence of acromioclavicular joint osteoarthritis in people not seeking care: A systematic review.” Journal of orthopaedics, vol. 32, pp. 85–91, May 2022, doi: 10.1016/j.jor.2022.05.009.
[2] T. Ibounig et al., “Imaging abnormalities of the acromioclavicular joint and subacromial space are common in asymptomatic shoulders: a systematic review,” Journal of Orthopaedic Surgery and Research, vol. 20, Jan. 2025, doi: 10.1186/s13018-024-05378-4.
[3] M. Welch, S. Rankin, M. H. S. Keng, and D. Woods, “A systematic review of the treatment of primary acromioclavicular joint osteoarthritis,” Shoulder & Elbow, vol. 16, pp. 129–144, Feb. 2023, doi: 10.1177/17585732231157090.
[4] M. Precerutti, M. Formica, M. Bonardi, C. Peroni, and F. Calciati, “Acromioclavicular osteoarthritis and shoulder pain: a review of the role of ultrasonography,” Journal of Ultrasound, vol. 23, pp. 317–325, Jul. 2020, doi: 10.1007/s40477-020-00498-z.
[5] D. P. Berthold et al., “Current concepts in acromioclavicular joint (AC) instability – a proposed treatment algorithm for acute and chronic AC-joint surgery,” BMC Musculoskeletal Disorders, vol. 23, Dec. 2022, doi: 10.1186/s12891-022-05935-0.
[6] R. Vossen, R. Puijk, I. Sierevelt, and A. van Noort, “Diagnostic value of a preoperative acromioclavicular injection for symptomatic acromioclavicular osteoarthritis: a retrospective study of cross-sectional midterm outcomes,” Clinics in Shoulder and Elbow, vol. 27, pp. 45–51, Jan. 2024, doi: 10.5397/cise.2023.00073.
[7] G. Farrell, L. Watson, and H. Devan, “Current evidence for nonpharmacological interventions and criteria for surgical management of persistent acromioclavicular joint osteoarthritis: A systematic review,” Shoulder & Elbow, vol. 11, pp. 395–410, Apr. 2019, doi: 10.1177/1758573219840673.
[8] N. Miedema, I. Sierevelt, T. Alta, R. Vossen, and A. van Noort, “Mid- to long-term success rate and functional outcomes of acromioclavicular injections in patients with acromioclavicular osteoarthritis,” Clinics in Shoulder and Elbow, vol. 26, pp. 175–181, May 2023, doi: 10.5397/cise.2023.00031.
[9] J. Yi, “Isolated acromioclavicular osteoarthritis and steroid injection,” Clinics in Shoulder and Elbow, vol. 26, pp. 107–108, May 2023, doi: 10.5397/cise.2023.00311.
[10] S. T, R. R. C, J. Pst, U. M, and A. G. Manivannan, “PRP in acromio-clavicular joint arthritis – A prospective analysis,” Jan. 15, 2021. doi: 10.18231/J.IJOR.2020.019.
[11] J. V. Leon, D. Hermans, V. Venkatesha, and D. Duckworth, “Patient outcomes following arthroscopic distal clavicle excision: a prospective case series,” JSES International, vol. 7, pp. 2400–2405, Aug. 2023, doi: 10.1016/j.jseint.2023.07.014.
[12] J. Wang, J. Ma, S. Zhu, H. Jia, and X. Ma, “Does Distal Clavicle Resection Decrease Pain or Improve Shoulder Function in Patients With Acromioclavicular Joint Arthritis and Rotator Cuff Tears? A Meta-analysis,” Clinical Orthopaedics and Related Research, vol. 476, pp. 2402–2414, Oct. 2018, doi: 10.1097/CORR.0000000000000424.
PD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt · Privatdozent · SportorthopädeAutor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am
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